Berlin und viele andere Städte sind aktuell nicht nur aufgrund ihres zunehmenden Wachstums, sondern auch durch die sich ändernden Bedürfnisse und Lebensweisen stadtplanerisch sowie architektonisch vor neue Herausforderungen gestellt. Sowohl in Ost- als auch in West-Berlin dominierte in den letzten Jahrzehnten der soziale Wohnungsbau. Mit einer Eigentümerquote von nur 14 Prozent ist Berlin nach wie vor mit Abstand die größte Mieterstadt Deutschlands. Im Jahr 2002 stellte der Berliner Senat sämtliche Förderungen für Wohnungsbauprogramme ein und leitete so das Ende der Ära des sozialen Wohnungsbaus ein. Diese tiefgreifende Veränderung führte einerseits, zusammen mit der wirtschaftlichen Rezession in Deutschland, zu einem fast vollständigen Baustopp durch Investoren in der Stadt. Andererseits blieben dadurch viele der bis dahin noch vorhandenen Baulücken erhalten. Diese bildeten in den folgenden Jahren ideale Freiräume, in denen sich ein besonderes Potenzial Berlins entfalten konnte. Der Entwicklungsstillstand erweckte den kreativen und unternehmerischen Geist anderer Akteure und motivierte sie dazu, neue Lösungen selbst zu entwickeln und umzusetzen. Viele Menschen, vor allem Familien, die in der Innenstadt wohnen bleiben wollten, fanden auf dem vorherrschenden Mietmarkt nicht das, was sie suchten. Irgendwo zwischen Pragmatismus und Idealismus entstanden daraufhin aus Eigeninitiative zukunftsorientierte Lösungen, die wichtige Qualitäten aufzeigen. Berlin wurde zu einem Experimentierfeld für außergewöhnliche und unkonventionelle Stadtentwicklungsprozesse. Ungenutzte Brachflächen und freie Gebäudebestände wurden mit Zwischen-nutzungen belebt, durch Selbstaneignung übernommen oder von engagierten Raumpionieren entwickelt. Wohn-, Arbeits- und Freizeitfunktionen sind dabei von selbstorganisierten und selbstbestimmenden Akteurs-konstellationen - Baugruppen, Genossenschaften oder anderen Projektformen - gestaltet worden.
