Brandaktueller könnte das Besucherzentrum kaum sein! Seit vergangenem Jahr kommen in Deutschland unfassbar viele Menschen an, die hier komplett neu sind. Die Bundesregierung heißt alle willkommen, weil sie als Flüchtlinge unbedingter Hilfe bedürfen - im selben Atemzug erwartet sie von ihnen, das Gemeinwesen zu bereichern. Die Situation schreit, insbesondere bei dieser Begründung, nach dem Besucherzentrum. Dem Namen nach empfiehlt es sich als Schlüsselbauwerk, das eine Entität expliziert für jene errichtet, die in ihr (noch) nicht zuhause sind. Tatsächlich bleibt diese Definition aktuell graue Theorie. Für die Neuankömmlinge werden Turnhallen, Messebauten, Fabriken und Flughafenhangars zweckentfremdet, Hotels, ja sogar Privatwohnungen requiriert, auf Wiesen und Parkplätzen Zeltstädte hochgezogen. Für die nahe Zukunft ist avisiert, was in jüngster Vergangenheit bevorzugt abgerissen wurde: Schnellsiedlungen in Modulbauweise. An Besucherzentren denkt niemand. Warum das so ist, macht die Rückschau klar: Vor 50, maximal 150 Jahren erfuhren sie eine Prägung, die an der aktuellen Lage vorbei läuft. Was Bauen für Fremde wirklich bedeutet, versteht erst, wer es noch weiter zurückverfolgt.
