Bericht: Reporting from the Front - Was hat die Architekturbiennale mit Krieg zu tun?

 - Frank Kaltenbach

Unverputzte Ziegelwände, derbe Betondecken, rohe Hölzer und viel Schutt. Es ist schwer zu sagen, ob es sich bei den Gebäuden auf den Fotografien um zerstörte Konstruktionen handelt oder um Baustellen. Genauso rudimentär ist die Ausstellungsgestaltung, die die unaufgeräumten Motive in eine aufgeräumte architektonische Ordnung fasst. Wie das Psychogramm eines ganzen Landes erscheinen die Architekturprojekte in der blanken Metallständerstruktur, der die Beplankung aus Gipskarton wie eine Maske abgenommen wurde: unfertige bescheidene Projekte, bei denen nicht das Ergebnis zählt, sondern ihr Entstehungsprozess und die Tatsache, dass sie überhaupt entstehen konnten. »Unfinished« lautet der Titel dieses Biennalebeitrags im Spanischen Pavillon. In keinem anderen Land haben Finanz-, Immobilien- und Wirtschaftskrise in den letzten Jahren die Existenzen von Architekten so dramatisch bedroht wie in Spanien. Unter den 63 Länderpavillons und den 88 Beiträgen der Hauptausstellung ist dieser schlichte, aber sehr ästhetisch und konzeptionell gestaltete Pavillon leicht zu übersehen. Dass er mit dem goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag ausgezeichnet wurde, verwundert angesichts der Vorgaben des diesjährigen Generaldirektors nicht.

Bericht: Reporting from the Front - Was hat die Architekturbiennale mit Krieg zu tun?
Droneport Community Network, Ruanda, Norman Foster Foundation, ETH Zürich, MIT © Frank Kaltenbach