Diskussion: Inszenierte Arbeitswelten - Kurzfristiger Trend oder Über­lebensstrategie?

 - Frank Kaltenbach

Die Gestaltung von Büroarbeitsplätzen unterliegt seit jeher Zyklen und Trends. Während im angelsächsischen Kulturkreis jahrzehntelang das Großraumbüro vorherrschte, galt im deutschsprachigen Raum das Zellenbüro mit Mittelflur als die Arbeitsform mit der höchsten Akzeptanz. In den 1980er-Jahren folgte der große Umbruch: Mit wissenschaftlich fundierter Beratung von Agenturen wie dem Quickborner Team, Fraunhofer oder Congena hielten zunehmend das aus Skandinavien stammende Kombibüro, das Einzelbüros und Großraum verbindet, sowie der Businessclub Einzug in die Verwaltungsbauten. Ziel war vorwiegend, eine höhere Wirtschaftlichkeit der Immobilie und eine höhere Flächeneffizienz durch tiefere Grundrisse, die durch nonterritoriale Bürokonzepte mit Desksharing noch weiter gesteigert werden konnte. Momentan vollzieht sich ein zweiter Umbruch: Der Trend geht bei großen Firmen eindeutig zurück zum Großraum, allerdings mit einer umfassenden Differenzierung des räumlichen Angebots: Der Standard-Schreibtisch ist nicht mehr alleiniger Arbeitsmittelpunkt, er wird ergänzt durch Stehpulte, Hochtische, Loungesessel und Rückzugsbereiche für Einzel- oder Projektarbeit. Erholungsbereiche, ein hochwertiges gastronomisches Angebot, Serviceleistungen von der Reinigung bis zur hausinternen Kinderbetreuung oder Yogakurse bieten eine Rundumversorgung. Arbeitgeber wollen, dass ihre Mitarbeiter eng zusammenrücken - nicht um Platz zu sparen, sondern um die Kommunikation immer komplexer werdender Aufgaben zu maximieren und die Kreativität bei der Entwicklung innovativer Lösungsansätze zu fördern. Seit einigen Jahren werden Büros zunehmend bunter und ähneln eher lockeren Freizeiteinrichtungen als Orten hochkonzentrierter Tätigkeit. 1998 hat Microsoft den »Nine-to-five-Job«, also die feste Arbeitszeit, abgeschafft. In Ergänzung zur »Vertrauensarbeitszeit« hat das Unternehmen 2014 in Deutschland den »Vertrauensarbeitsort« eingeführt, das heißt, der Mitarbeiter kann arbeiten, wo immer er möchte. Sind die jugendlich designten Arbeitswelten mit viel Grün, gesundheitsfördernden und sozialen Serviceleistungen die Antwort, um die besten Talente ans Unternehmen zu binden und überhaupt wieder zur Arbeit in einem Bürogebäude zu verführen? Sind Lockerheit und Improvisationsgeist heute wichtigere Werte, die externen Besuchern vermittelt werden sollen, als Seriosität und Verlässlichkeit?

Diskussion: Inszenierte Arbeitswelten - Kurzfristiger Trend oder Über­lebensstrategie?
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