Neben vielen funktionalen und ganz pragmatischen Aufgaben kommt der Architektur seit jeher auch die Rolle zu, für Abgrenzung und Identität zu sorgen und die Menschen emotional anzurühren. Sichtbar wird dies vor allem durch die Inszenierung von Gebäudehüllen. Dass es dabei sehr oft um weit mehr als nur um Oberflächen oder Oberflächlichkeiten geht, belegen die Arbeiten zahlreicher Architekturbüros. Eine wesentliche Eigenschaft beispielsweise der Projekte von Jacques Herzog und Pierre de Meuron ist die gleichermaßen lustvoll wie klar strukturierte Materialästhetik der Gebäudehüllen. Eine wichtige Rolle hierbei spielt die Auseinandersetzung mit der Vervielfältigung von standardisierten Einzelmodulen. Dies gilt für das Stellwerk am Basler Bahnhof SBB mit seiner eigenwilligen Ummantelung aus Kupferbändern oder die kalifornische »Dominus Winery« mit ihren steingefüllten Metallgitterkörben ebenso wie für die bedruckten Glasquadrate der TU-Bibliothek in Cottbus (Abb. 1- 3). Dort haben die Schweizer Architekten einen achtgeschossigen Baukörper mit geschwungenem Grundriss entworfen, der nicht zuletzt durch seine ungerichtete Amöbenform symbolhaft für den nach allen Richtungen offenen Wissensfluss stehen soll - ein Bild, welches durch die vor eine raumabschließende Isolierverglasung gehängten Glasquadrate auf subtile Weise unterstützt wird. Mit punktgehaltenen Glasfeldern und offenen Fugen ist diese äußere Schicht konstruktiv unspektakulär und unterscheidet sich auch nicht von vergleichbaren Standardfassaden. Einen unverwechselbar eigenständigen Charakter erlangt das Bauwerk jedoch durch die Bedruckung mit übergroßen weißen Buchstaben. So erscheint die Gebäudehülle nicht einfach transparent, sondern eher wie ein Vorhang - der Blick nach innen wird durch Buchstaben, die kleinste Einheit der geschriebenen bzw. gedruckten Sprache, gefiltert.
