Diskussion: Raum für Spiele - Entwicklungen und Tendenzen in der Theaterarchitektur

Anders als der Museumsbau fristete die Theaterarchitektur lange ein Mauerblümchendasein. Für Lichtblicke sorgten seit Aldo Rossis schwimmendem Teatro del Mondo, das anlässlich der ersten Architektur-biennale 1980 in Venedig vor Anker ging, allenfalls das Aalto-Theater in Essen, das bunte Konglomerat von Rem Koolhaas' Nederlands Dans Theater in Den Haag sowie die spektakulären Opernumbauten von Jean Nouvel in Lyon und Mario Botta in Mailand. Seit den späten 1990er-Jahren wurden Konzerthäuser wie Jean Nouvels Luzerner KKL, Frank Gehrys Disney Concert Hall in Los Angeles, Santiago Calatravas Auditorium in Santa Cruz de Tenerife oder die Open-Air-Bühne »Wolkenturm« von The next ENTERprise in Grafenegg (Abb. 9) zu Vorboten einer zaghaften neuen Blüte der Theaterarchitektur. Diese kann aber noch nicht mit jener des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ver-glichen werden, als Monumente wie Charles Garniers Pariser Opernhaus (Abb. 1), das Wiener Burgtheater oder das Teatro Colón in Buenos Aires zu metropolitanen Wahrzeichen wurden. Die Nachfrage nach Theaterbauten war damals so groß, dass Spezialisten wie das Wiener Büro Fellner & Helmer von Augsburg über Budapest und Odessa bis nach Zagreb und Zürich eine Vielzahl von Musik- und Sprechbühnen realisieren konnten. All diese Häuser waren eigentliche Kulturmaschinen mit einem zwischen Klassizismus und Neorokoko oszillierendem Äußeren, das von einem tempelartig ausgeformten Bühnenturm dominiert wurde. Sie verfügten über ein als Treffpunkt der eleganten Gesellschaft eingerichtetes Foyer und ein Rangtheater samt Guckkastenbühne, allerdings oft noch ohne die heute üblichen Hinter- und Seitenbühnen. Dazu kam eine Infrastruktur von Künstlergarderoben, Probenräumen, Kulissenlagern und Werkstätten. Damit war der Bautypus so perfektioniert, dass diese Konzeption - wenn auch in moderner Hülle - bis heute den Ton angibt.

Diskussion: Raum für Spiele - Entwicklungen und Tendenzen in der Theaterarchitektur
© FG+SG Fotografia de Arquitectura