Diskussion: Vom Deckel zur Landschaft - bespielte Dächer seit der Moderne

»Seit vier Jahrhunderten war das flache Dach der Traum der Baukünstler. Mitte des 19. Jahrhunderts ging der Traum in Erfüllung. Aber die meisten Architekten wussten mit dem flachen Dach nichts anzufangen.« Resigniert beschreibt Adolf Loos 1923 mit diesen Worten eines der Kernprobleme der in den 20er-Jahren geführten Architekturdiskussion. Tatsächlich eröffneten sich mit der Einführung industriell gefertigter Dachabdichtungen völlig neue Möglichkeiten - während sich Architekten wie Leon Battista Alberti und Andrea Palladio in der Renaissance noch damit begnügen mussten, flache und damit frei gestaltbare und nutzbare Dächer hinter Balustraden und Gesimsen zu suggerieren. Trotzdem entfachte sich an der Ausbildung von Dachformen ein erbitterter Streit, der sich als tiefer Graben zwischen Traditionalismus und Moderne nicht nur quer durch die Architektenschaft, sondern später auch quer durch die ganze Gesellschaft zog. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Weißenhofsiedlung in Stuttgart.

Diskussion: Vom Deckel zur Landschaft -  bespielte Dächer seit der Moderne
© Peter Cook