Häuser für Bäume

 - Jakob Schoof

Höhe, Nutzfläche, Zahl der Wohnungen - diese Kennziffern sind im investorenfinanzierten Hochhausbau meist von zentralem Interesse. 800 Bäume, 4500 Büsche und 15 000 weitere Pflanzen - das sind die Zahlen, die Stefano Boeri für den Bosco Verticale an der Mailänder Porta Garibaldi zuerst nennt. Mit den beiden begrünten 110 und 76 m hohen Wohntürmen ließen der italienische Architekt und sein Team eine Vision Realität werden, die schon ganze Architektengenerationen umgetrieben hatte. Doch an dem vertikalen Wald schieden sich die Geister: Viele waren begeistert, andere kritisierten den Bosco Verticale als "Edelforst für Besserverdienende", als Anti-Architektur und als Ressourcenverschwendung. Dessen ungeachtet hat Boeri weiter an dem Konzept gearbeitet - und denkt längst über den Maßstab des einzelnen Gebäudes hinaus, um die Biodiversität in den Städten zu fördern. Hält das Konzept den hohen Erwartungen stand?

Häuser für Bäume
Mit seinem Wohnturm Bosco Verticale in Mailand brachte Stefano Boeri 2014 die Architekturwelt zum Staunen. Seither haben er und sein Büro an weiteren begrünten Hochhäusern in aller Welt gearbeitet. Mit welchem Ziel und mit welchen Erfahrungen? © Dimitar Harizanov