Open Source in der Architektur

 - Oliver Fritz, Alexander Michalski, Stefan Krötsch

Mit ihrem 2011 entwickelten Bausystem WikiHouse verfolgen Alastair Parvin und Nick Ieriodiaconou einen innovativen Ansatz zur „Demokratisierung des Bauprozesses". Kern des Konzepts ist eine Internetplattform, die offene Baupläne global zugänglich macht. Laien können dort kostenfreie CNC-Fräsdateien und Bauanleitungen für einfache Gebäude - etwa kleine Einfamilienhäuser mit Deckenspannweiten bis zu 4,5 m - herunterladen. Die Datensätze ermöglichen die automatisierte Herstellung aller Tragwerksteile aus 18 mm starken Furnierschichtplatten (FSH) mit Abmessungen von 2,50 × 1,25 m auf einfachen Dreiachsfräsen. Die Montage der Elemente ist mit zwei bis drei ungelernten Arbeitern möglich, dafür werden nur Gummihämmer benötigt. Bei Wiki- House kommen ausschließlich Holz-Holz-Verbindungen ohne Stahlteile, Schrauben und Nägel zum Einsatz. Eine Bemessung des Tragwerks und der Verbindungen nach britischer Norm ist kostenlos im Internet verfügbar. rnDiese Prämissen erlauben den Einsatz des Systems weltweit, denn FSH-Platten und Dreiachsfräsen sind fast überall vorhanden. Dennoch zeigen die bisherigen Anwendungen des Systems Einschränkungen, insbesondere in Bezug auf größere Spannweiten, Dämmung, Dichtung und die Einhaltung lokaler Bauvorschriften. Diese Grenzen waren der Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung an der HTWG Konstanz.

Open Source in der Architektur
Seine Premiere erlebte der Prototyp aus dem Forschungsprojekt Arise als Messestand bei der DigitalBau 2024 in Köln. © wikihouse.studies +