Was hätten Sie mit einem höheren Budget anders gemacht?
Ich sehe den Reiz gerade darin, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Oft entsteht daraus etwas ausgesprochen Stimmiges. Eine Besonderheit dieses Projekts war, dass wir die erste Skizze tatsächlich so umgesetzt haben. Nur in den Details hat sich während der Planung noch etwas verändert. Das Budget war knapp, aber die gestalterischen Freiheiten waren groß. Wir konnten alle wesentlichen Elemente realisieren. Der Holzbau war zwar etwas teurer als eine Beton- oder Mauerwerkskonstruktion, doch die Bauherrin war überzeugt. Sie war auch die treibende Kraft hinter der monochromen Farbgestal-tung. Die Idee, das Grün des Obstgartens auf die Fassade zu übertragen, kam früh auf – letztlich gab aber das Dach den Ausschlag. Um Kosten zu sparen, entschieden wir uns für eine Bitumenbahn als Dachhaut. Diese gibt es in verschiedenen Farbtönen, und die grün beschieferte Variante passte gut zu unserer Idee. Darauf haben wir die Fassadenfarbe abgestimmt.
In welcher Weise hat das niedrige Budget den Bau beeinflusst?
An vielen Stellen konnten wir die Konstruktion vereinfachen – und das bewusst sichtbar machen. Wir entwarfen das Gebäude mit einem geringen Dachüberstand und einer schmalen Trauflinie. Eine Standardrinne kam für uns nicht infrage. Stattdessen verwendeten wir einen einfachen, durchlaufenden Winkel. Daraus entwickelten wir eine gefaltete Dachhaut, die dem Haus seinen besonderen Charakter gibt – fast piktogrammhaft, wie zwei Flügel in der Ansicht. Gleichzeitig schützt die Rinne die Schiebetore vor der Witterung. Auch die Fallrohre konnten wir weglassen und damit Spengler- sowie Erdarbeiten sparen. Das Regenwasser läuft nun über die Rinne ab und plätschert hörbar in Betonschachtringe – ein kleines Schauspiel.
Mussten Sie dennoch Kompromisse eingehen?
Ja, auf ein geplantes Oberlicht im Atelier haben wir verzichtet. Ursprünglich wollten wir in der nach Norden geneigten Dachfläche eine Öffnung mit Blick auf den Kirchturm schaffen. Doch irgendwo mussten wir sparen, und ein Oberlicht hätte die geschlossene Dachhaut geschwächt. Zudem wollte der Zimmerer kein günstiges Polycarbonat einbauen, weil es zu schadensanfällig ist. Also prüften wir anhand eines Modells, ob die große, rund 4,5 m breite Nordverglasung für die Belichtung ausreicht. Zusammen mit den weißen Wänden funktioniert das sehr gut und erzeugt ein gleichmäßiges, ruhiges Licht.
Haben Sie Elemente vorgefertigt?
Wir haben das mit den Tragwerksplanern von Merz Kley Partner diskutiert. Theoretisch ließen sich bei einem Holzbau vier Wand- und zwei Dachteile vorfertigen. Doch für größere Holzbaufirmen lohnen sich kleine Projekte kaum – ihre Preise sind entsprechend hoch. Am wirtschaftlichsten war die Umsetzung durch eine kleine Zimmerei in Holzständerbauweise. Sie passte die Größe der Elemente an ihren Anhänger an, stellte sie vor Ort auf und dämmte sie anschließend aus. Das war effizient, flexibel und hielt die Wertschöpfung im Betrieb.
An welchen Stellen lässt sich sinnvoll sparen?
Vor allem in den konstruktiven Aufbauten. Wir haben jedes Bauteil hinterfragt. Ein hoher Schallschutz war beispielsweise nicht nötig. Die Bauherrin wünschte sich einen hellen Atelierraum mit robustem Boden – mehr nicht. Die massive Bodenplatte ist bauteilaktiviert, aber unbewehrt und lediglich flügelgeglättet – ohne weitere Aufbauten. Wir schaufelten die Gräben für die Streifenfundamente und gossen Magerbeton ein. Unter der Bodenplatte befindet sich nur die Dämmung und ein Kiesbett.
Welche Holzarten kamen zum Einsatz?
Alle Holzbauteile bestehen aus heimischer Fichte – auch die Dreischichtplatten und das Brettschichtholz. Wir wollten möglichst mit Vollholz arbeiten. Nur über den großen Fensteröffnungen war ein Brettschichtholzträger notwendig: Er stabilisiert die Konstruktion, verformt sich nicht und dient zugleich als Sturz und Fußpfette. Eine kleine Anekdote: Ursprünglich schloss die Zwischendecke direkt an den Leimholzträger an. Doch der Lebensgefährte der Bauherrin war zwei Meter groß, die Raumhöhe von 2,30 Metern im Wohnbereich war zu gering. Da wir die Traufhöhe nicht verändern konnten, verschoben wir die Decke leicht nach oben. So bleiben die Dachsparren sichtbar und erscheinen wie Konsolen unter der Flachdecke – sie verbinden visuell alle Bereiche miteinander. Die Konstruktion bleibt überall spürbar, das war ganz in unserem Sinne.
Die zugehörige Projektdokumentation finden Sie hier.






