3. Stahlbetonbalken (Bild 49) werden zur Überdeckung von Fenster-, Türöffnungen, Durchfahrten usw. ausgeführt. Die Bewehrung erfolgt im wesentlichen nach gleichen Grundsätzen wie bei Platten, d. h. die Tragstähle liegen auch hier in der Zugzone nahe der Balkenunterkante. Außer den Zugspannungen sind jedoch noch Scher- und Schubspannungen aufzunehmen.
Ein belasteter Balken biegt sich bekanntlich durch oder würde auch unbelastet auf Grund seines Eigengewichtes durchhängen. Im oberen Teil entstehen Druck-, im unteren Zugspannungen. Die Berührungsstelle beider Teile erfährt weder eine Zug- noch eine Druckbeanspruchung und wird neutrale oder Nullzone genannt. Wird ein Balken der Länge nach aufgeschnitten, so entstehen zwei Träger, die die Last gemeinsam zu tragen haben. An der Trennungsfläche N-N (a) berühren sich gezogene und gedrückte Fasern, die verschiedene Längen besitzen. Hieraus folgt, daß in einem Balken Kräfte vorhanden sind, die die eine Schicht von der anderen abzuschieben versuchen, und zwar in waagerechter Richtung. Diese Kraftwirkungen werden horizontale Schubspannungen genannt und treten besonders bei Plattenbalken (b) auf, wo ein Abschieben des Steges von der Platte eintreten kann. Ferner muß ein Balken auch senkrechten Kräften (vertikale Schubspannungen) Widerstand leisten. Die waagerechten und senkrechten Schubkräfte haben am größten Biegemoment - in der Regel in Balkenmitte - den Wert Null, nehmen jedoch nach beiden Seiten zu und erhalten ihren größten Wert an den Auflagern. Zum Aufnehmen dieser Spannungen ist der Balken mit Bügeln auszustatten, die die Druck-, und Zugzone zusammenzuhalten haben. Die resultierenden waagerechten und senkrechten Schubspannungen rufen schiefe Zugrisse (a1) hervor, die man dadurch zu vermeiden sucht, daß die Stähle, soweit sie nicht mehr für die Zugzone benötigt werden, eine Aufbiegung von 45° erhalten (a2). Ein Stahlbetonbalken muß demnach bewehrt werden mit Tragstählen, Bügeln und aufgebogenen Stählen (c). Wenn es möglich ist, dann empfiehlt es sich, die Stahleinlage eines Balkens auf dem Bauplatz zusammenzubinden (d) und als Ganzes in die Schalung zu legen. Gleiches gilt von der Bewehrung eines Fenstersturzes (e). Ein Kragbalken erhält eine sinngemäße Bewehrung (f).
Balken mit doppelter Bewehrung (g), d. h. mit Stählen auch in der Druckzone, kommen in den Fällen zur Ausführung, in denen an Balkenhöhe gespart werden muß. Solche Stähle sind erforderlich, wenn in der Druckzone der Beton die Druckbeanspruchung allein nicht mehr aufzunehmen vermag.






