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Buschkrankenhaus in Kamerun

Einfach, ressourcenschonend und energetisch sinnvoll Bauen: So lautet die Zielsetzung für das Afrika-Projekt des Fachbereichs Holzbau an der TU München. Unter der Leitung von Stefan Krötsch und Matthias Kestel erarbeiteten 14 Architekturstudenten im Rahmen eines Semesterentwurfs von Prof. Hermann Kaufmann neun Entwürfe für die Erweiterung des Buschkrankenhauses in Ngaoubela (Kamerun). Schwerpunkt der Arbeit war der detaillierte Entwurf für den Neubau eines Operationsgebäudes.

Eine gemischte Jury aus Architekten, Ärzten und Entscheidungsträgern aus Ngaoubela bestimmte den Siegerentwurf. Dieser wurde im Sommersemester 2012 von den Studenten zu einer baufertigen Planung ausgearbeitet und wird nun seit August 2012 in Kamerun von lokalen Arbeitern zusammen mit den Studenten der TUM in freiwilliger Arbeit gebaut.

Kamerun
Foto: Susanne Steinmaßl

Ein genaues Studium der örtlichen Gegebenheiten ermöglichte es entwerferisch, energetisch und ökologisch vorbildliche Gebäude umzusetzen. Sie zeichnen sich durch hervorragende raumklimatische Eigenschaften ohne Kühlenergiebedarf aus. Bei der Auswahl der Baumaterialien wurde im besonderen Maß auf die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit geachtet.

Neues Eingangsgebäude, Ansicht Ost

Das Gebäude umfasst zwei gleichwertige Operationssäle, einen Vorbereitungs- und Aufwachbereich, Räume für die Sterilisierung der Geräte, sowie Umkleiden, Lagerräume und Bereiche für das Personal.

Der Entwurf für das Buschkrankenhaus "Hôpital Protestant Ngaoubela" berücksichtigt all diese Anforderungen in besonderem Maße. Es handelt sich um eine Konstruktion aus Betonsteinen und einem Holzdach, das vorrangig für die Kühlung des Gebäudes zuständig ist. Oberhalb der gut isolierten Decke bestehend aus Lehm, Sand und Stroh wird die Luft mittels Thermik durch das Dachvolumen geleitet. So können trotz der sengenden afrikanischen Hitze angenehme Temperaturen im Innenraum erreicht werden.

Skizze Dach
Skizze Verschattung

Das Konzept für die Lüftung ist so ausgelegt, dass es weitgehend wartungsneutral ist. Ohne den Einsatz von Technik sind unter den festverglasten Fenstern Lüftungslamellen angebracht. Vor die Lamellen sind innen ein Insektengitter und ein mit Stoff bespannter Rahmen befestigt. Sobald der Stoff sichtbar verstaubt ist, kann er von den Krankenhausmitarbeitern ausgewechselt werden. In den OP-Sälen sind zusätzliche öffenbare Klappen vorgesehen, sowie ein Lüfter, der die Luft durch Ventilatoren absaugt und über einen zentralen Technikraum ins Freie leitet. Auch die Leitungen sind in beim Verputzen durch Leisten erzeugte Hohlräume sichtbar verlegt und können leicht ausgetauscht werden.

Lüftung Schnitt
Lüftung Grundriss

Das Buschkrankenhaus „Hôpital Protestant Ngaoubela“ steht inmitten einer ländlichen Region im Norden Kameruns und stellt die wichtigste Anlaufstelle für medizinische Versorgung in der Gegend dar. Die Patientenzahl ist seit Jahren stark steigend, die Infrastruktur des Krankenhauses überlastet. Deshalb entschloss sich der Verein „Entwicklungspartnerschaft für Kamerun“ aus dem österreichischen Vorarlberg, die Erweiterung des Krankenhauses zu fördern. Neben der langfristigen Entwicklung des Krankenhausareals ging es dem Förderverein in erster Linie um eine schnelle Verbesserung der Situation im „Bloc Operatoire“, dem Operationstrakt des Krankenhauses. Dieser befindet sich in einem Zustand, der selbst bescheidenen Hygieneanforderungen nicht mehr entspricht. Das Ziel des ambitionierten Projekts ist es, den hygienischen Standard bei Eingriffen auf ein annähernd europäisches Niveau zu heben und so eine größere Bandbreite an Operationen zu ermöglichen.

Außenansicht Krankenhaus, Foto: Matthias Kestel
OP-Vorbereitung im Krankenhaus, Foto: Matthias Kestel

Das Buschkrankenhaus ist nicht das erste Afrika-Projekt an der TU München. In den letzten fünf Jahren wurden bereits mehrere studentische Bauprojekte in Kenia und Südafrika realisiert. Ziel dieser Entwurfsaufgaben war es, elementare ressourcenschonende Bauweisen in energetisch sinnvollen Gebäuden umzusetzen. Die Extremsituation fordert die Studenten heraus, unkonventionelle Lösungen zu finden. Sie lernen dabei, aus dem Mangel heraus neue, kreative Denkansätze zu entwickeln. Das Ergebnis sind ästhetische und nützliche, jedoch gleichzeitig einfach umsetzbare Lösungen.

Immer mehr gelingt im Rahmen der Projekte die Zusammenarbeit mit Studenten afrikanischer Universitäten, so dass ein beidseitiger Wissenstransfer stattfinden kann und gezielt Kooperationen zwischen der TU München und afrikanischen Universitäten aufgebaut werden können.

Testat an der TU München. Die Studenten präsentiern ihren Entwurf. Foto: TUM FG Holzbau
Die Studenten besichtigen den OP im Krankenhaus Feldkirch. Foto: Philip Weibhauser

 

Projektbeteiligte:

Studenten: Karina Gnüchtel, Stephanie Tröndlin-Ehrler, Philip Weibhauser, Stella Birda, Magdalena Pfeffer, Doria Bornheimer, Julia Schillinger, Michael Mayer

Assistenten: Projekt betreut durch: Matthias Kestel und Stefan Krötsch
Unterstützt in Ngaoubela durch: Andreas Mayer

Dokumentation: Susanne Steinmaßl

Die Fertigstellung des Gebäudes ist bis Ende Oktober 2012 geplant.

Weitere Bilder zu allen Bauphasen und aktuelle Informationen zum Bauzustand gibt es hier.

 

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