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Die Co-Evolution der Stadtsysteme

Mit zukunftsweisenden Technologien und Systemen ändern sich auch die Anforderungen an die Städte. Zugleich fordern der demographische Wandel sowie das enorme Wachstum der Stadtbevölkerung Veränderungen in den heutigen Stadtsystemen. Derzeit basieren unsere Städte auf Infrastrukturen und Ordnungsprinzipien, die oftmals historischen Ursprungs sind und überholte technische Strukturen besitzen. Sie sind weder anpassungs- oder erweiterungsfähig noch in der Lage neue, schnelllebige Technologien zu integrieren. „Das System Stadt muss neu gedacht und gelebt werden“, beschreibt Dr. Alexander Rieck im Rahmen des DETAIL research Forums „Building the Future“ zur BAU 2015 den integrativen Ansatz der Forschungsarbeit. Die Morgenstadt bildet dabei einen CO2-neutralen, energieeffizienten und klimaangepassten Idealort der Zukunft, der den künftigen Herausforderungen mit Innovation und Flexibilität begegnet.

In einer funktional geprägten Stadt laufen sehr unterschiedliche Prozesse parallel ab, die das Zusammenleben und -arbeiten auf engstem Raum zu gewährleisten. Sie bilden sich in unterschiedlichen Systemen wie Mobilität, Energie oder Informationsnetzwerken ab. Dabei befinden sich derzeit nahezu alle Lebensbereiche in einer technischen und sozialen Transformation. Während um 1750 der Innovationszyklus urbaner Systeme ca. 100 Jahre betrug, war die durchschnittliche Zeitspanne 2010 auf nur noch 2 Jahre geschrumpft. Die Zykluslänge variiert je nach Systemart wobei die Computertechnologie zu den entwicklungsschnellsten zählt. „Der allerschnellste Zyklus betrifft Apps – alle drei Monate gibt es eine neue App zum Download“, beschreibt Rieck schmunzelnd. Demgegenüber steht die Entwicklung der Stadtstruktur, wo beispielsweise Abwassernetze bis zu 100 Jahre oder Straßen und Brücken 50 Jahre und mehr für eine Anpassung benötigen. „Alles, was wir heute bauen, steht bis zu 70 Jahre, aber die IT wird eine andere sein“, erläutert Rieck die Problematik.

Digitale Technologien spielen bei der urbanen Transformation eine Schlüsselrolle. Bereits heute werden unser Miteinander, unser Wissen und unsere Wirtschaft von digitale Prozessen und Hilfsmitteln mitbestimmt. So sind Szenarien wie eine Industrie 4.0, in der Sharingsysteme bei der maschinellen Produktion ohne menschliches Eingreifen optimal Ressourcen ausnutzen, oder das Internet der Dinge keine fernen Zukunftsgedanken mehr. Auch die Mobilität wird sich durch selbstfahrende und vernetzte Fahrzeuge, die sich derzeit bei Mercedes oder Google in der Entwicklung befinden, weiter verändern. Möglich machen dies zum einen eine immer schnellere Datenverarbeitung sowie immer kleiner werdende Speicherchips. Durch sie können menschliche Grenzen wie z.B. in der Wahrnehmung mittels Sensorik überwunden werden. Die Integration dieser neuen Technolgien ist die Herausforderung an die Stadt von morgen. Wie stark sich dabei unsere Siedlungsstrukturen verändern, bestimmen wir allerdings selbst. „Was wir nicht vergessen dürfen, wir planen für den Menschen“, mahnt Rieck bei aller technikbegeisterten Euphorie. Wenn wir als Architekten, Planer oder Bewohner daran beteiligt sein wollen, müssen wir uns auch aktiv mit der digitalisierten Gestaltung auseindersetzen, sonst bestimmen Technologien und ihre Entwicklungen unser urbanes Umfeld.

Zur Person: Dr. Alexander Rieck arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. Er ist Projektleiter im Office Innovation Center, einem Demonstrationslabor für Büro- und Arbeitswelten, tätig. Nachdem er bis 1997Architektur an der Universität Stuttgart und der Arizona State University in Phoenix, USA, studierte, promovierte er am Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart 2011 zum Thema „Gestaltung von Arbeitsumgebungen für die Wissensarbeit.“

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