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Sutherland Hussey Harris, Pansolution International Design, Stadtmuseum in Chengdu

Monumentales Flechtwerk: Stadtmuseum in Chengdu

In China ist vieles ein paar Nummern größer als hierzulande. Das gilt auch für den Tianfu-Platz im Herzen von Chengdu, der westchinesischen 14-Millionen-Einwohner-Metropole. Mit einer Fläche von rund zwölf Fußballfeldern gilt er als größter Stadtplatz der Region. An seiner Nordseite erhebt sich ein gigantisches Wissenschaftsmuseum, vor der der Große Vorsitzende Mao als majestätisch-weiße Riesenskulptur die Passanten grüßt. Südlich des Platzes schließt sich die größte Verkehrsachse der Stadt an, an seinem Ostrand soll in den nächsten Jahren eine neue Konzerthalle entstehen.

In diesem Umfeld war es klar, dass auch von den Architekten des neuen Stadtmuseums westlich des Tianfu-Platzes ein großer, ja monumentaler Entwurf erwartet würde: 65.000 Quadratmeter Fläche sollte der Neubau umfassen, darunter Abteilungen für Naturgeschichte, Landesgeschichte und Brauchtum, einen Saal für chinesisches Schattentheater mit 800 Sitzplätzen sowie eine 1000 m2 große Sonderausstellungsfläche.

2007 gewannen die schottischen Architekten Sutherland Hussey Haris gemeinsam mit ihrem Pekinger Partnerbüro Pansolution den internationalen Architektenwettbewerb für den Neubau. Danach wurden sie – was in China eher die Ausnahme ist – nicht nur mit der Entwurfs- und Werkplanung, sondern auch mit der kompletten Bauüberwachung beauftragt.

Der städtischen Situation folgend, sind die Erschließungsbereiche des Museums alle auf der Ostseite angeordnet. Sie öffnen sich mit einer verglasten, nur von einem Kupfergewebe vor Sonne geschützten Glasfassade zum Platz hin. Die fensterlosen Ausstellungsräume liegen hingegen an der geschlossenen Westfront, die mit gefaltetem Kupferblech in einer ganz eigenen Flechtwerk-Ästhetik verkleidet ist. Ein Tordurchgang durch das Gebäude verbindet den Tianfu-Platz mit der Huang-Cheng-Moschee westlich des Museums, einem der größten muslimischen Gotteshäuser in Südwestchina. Der so entstandene, überdachte Freibereich wird auf vielfältige Weise genutzt. Nicht zuletzt haben ihn die Markthändler in Beschlag genommen, die auch bisher schon in den umliegenden Straßen ihre Ware feilboten.

Um es den Planern nicht zu leicht zu machen, wünschte der Bauherr im Inneren des Hauses 30 Meter tiefe, stützenfreie Museumssäle. Außerdem sollte das Gebäude einem Erdbeben der Stärke 8 standhalten. Zusätzlich verläuft unter dem Nordteil des Museums die U-Bahn von Chengdu, sodass an dieser Stelle keine Fundamente in den Untergrund eingebracht werden konnten.

Die gefaltete, von der Betonstruktur des Gebäudes weitgehend unabhängige Gebäudehülle wird von einem riesigen Fachwerk aus Stahldiagonalen getragen. Der Neubau reicht bis zu zu 24 Meter tief in den Untergrund, wo unter anderem die Gebäudetechnik und die Lagerräume untergebracht sind. Um Erdbebenstöße abzufedern, ruht der Baukörper samt Untergeschossen seismisch entkoppelt in einem gigantischen, im Erdboden eingegrabenen Betonkasten.

Die Fassadenstruktur – im Osten nur leicht verhüllt, im Westen ganz geschlossen – entspricht nicht nur den Prinzipien des chinesischen Feng Shui, denen zufolge eine Westausrichtung von Gebäuden Unglück verheißt. Sie korrespondiert auch mit den örtlichen Klimabedingungen und der in Chengdu oft starken Sonneneinstrahlung aus Westen, die dem Klima in den Ausstellungssälen nicht zuträglich gewesen wäre. Die verwendeten Gewebe und Bleche bestehen zu 90% aus recyceltem Kupfer. Die Metalllegierung wurde so gewählt, dass sich das Blech auch unter der in der Stadt herrschenden hohen Luftverschmutzung möglichst wenig verfärbt.

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Weitere Informationen:

Tragwerksplanung, TGA-Planung: China Aviation Planning and Design Institute, Peking

Innenarchitektur: Beijing Truebond Building Decoration Engineering, Peking

Bauunternehmer: China Construction Second Engineering Bureau, Peking

Fassadenverkleidung: KME TECU

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