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Karawitz Architecture, Mehrfamilienhaus, Paris, Canal de l’Ourcq, schnepp + renou

Straßenblock en miniature: Mehrfamilienhaus in Paris

Die Ufer des Canan de l’Ourcq, der aus der Pariser Innenstadt hinausführt zum Parc de la Villette, haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten zur bevorzugten Partymeile der französischen Hauptstadt entwickelt. Gleichzeitig ist das umliegende 19. Arrondissement eines der wenigen Gebiete in Paris, in dem man noch halbwegs bezahlbar wohnen kann.

Ein regelrechtes Filetgrundstück hat das Architekturbüro Karawitz nun mit einem Wohn- und Geschäftshaus mit 23 Wohnungen und 2 Ladenlokalen bebaut. Es ist auf drei Seiten von kleinen Nebenstraßen umgeben: dem Quai de la Marne am Kanalufer, der Rue de la Meurthe sowie der  Rue de l’Ourcq, die eine Etage höher auf einer Fußgängerbrücke den Kanal quert. Im Klartext heißt das: auf drei Seiten unverbaubarer Blick Richtung Kanal, zum Parc de la Villette sowie stadteinwärts zur Rotonde de la Villette.

Ursprünglich hatte eine der wenigen Baugruppen, die in Paris bisher entstanden sind, ihr Auge auf das Grundstück geworfen und die Architekten mit einem – nur 14 Wohnungen umfassenden – Entwurf beauftragt. Als sich die Realisierung jedoch in die Länge zog, entzog die Stadt den Bauherren ihre Unterstützung. Diese wandten sich daraufhin an das Wohnungsbauunternehmen OGIF, um ihr Vorhaben doch noch umsetzen zu können. Der Bauträger erklärte sich bereit, weiterhin mit Karawitz Architecture zusammenzuarbeiten, stockte das Bauvolumen jedoch auf die maximal auf dem Grundstück zulässige Größe auf und strich den im Erdgeschoss vorgesehenen Gemeinschaftsraum zugunsten einer weiteren Wohnung.

Der siebengeschossige Neubau nimmt nur den kanalseitigen Teil des Grundstücks ein. Auf seiner Rückseite im Südosten ist ein Gemeinschaftsgarten entstanden. Eine angedeutete Fuge trennt den Baukörper in zwei Hälften. Sie fungiert als offene Erschließungsachse, mit Aufzug und einer skulpturalen Wendeltreppe mit Stahlblechbrüstung. Zu beiden Seiten schließen Ein- und Zweizimmerwohnungen an; lediglich die Dachgeschosswohnungen sind größer. Ins Erdgeschoss sind inzwischen ein Laden und ein Brauereilokal eingezogen.

Nach außen zeigt das Haus zwei radikal unterschiedliche Ansichten: Fast verspielt sind die Fassaden am Kanal und den beiden Seitenstraßen. Mit ihren erkerartigen Balkonen, holzverkleideten Faltläden, dem ortstypischen Mansarddach und den überdimensionierten Gauben wirken sie wie eine übersteigerte Version der Pariser Blockrandbebauungen aus der Haussmann-Ära. Die Fassaden erhielten eine anthrazitfarbene Holzverkleidung, Dachflächen und Gauben sind mit Zinkblech im gleichen Farbton verkleidet.

Überaus geradlinig gibt sich hingegen die Gartenseite des Hauses. Mit dem weißen Verputz und den schmalen Balkonbändern mutet sie fast wie eine Brandwand an, in die jemand nachträglich Fensteröffnungen geschnitten hat.

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Weitere Informationen:

Mitarbeiter: Nils Edelman (Projektleitung), Marielle Kremp, Alexander Bartzsch, Florian Gravé, Corinne Téa, Ecki Czallner

Tragwerksplanung: A.I.A.

TGA-Planung, Energiekonzept, Bauphysik: AMOES

Kostenplanung: Tohier

Schallschutz: Acoustique & Conseil

Geschossfläche gesamt: 1 580,30 m2

Kosten: 3,67 Mio. €

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