
Immerhin hatten sich der Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und sein Kultusminister Thomas Goppel die Ehre gegeben, um sich vom Stand der Dinge ein eigenes Bild zu machen. In Anwesenheit des Sammlers und Stifters Udo Brandhorst führte Louisa Hutton vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton durch die Räume:
"Das wichtigste fehlt noch, das ist natürlich die Kunst!"Und so wirken die Innenräume neutral, aufgeräumt, handwerklich hochwertig mit präzisen Details. Große Spektakel sucht man vergebens. Die bisher noch fehlenden Farbtupfer sollen die hochkarätigen Kunstwerke in die Räume bringen: Mit Künstlern vom Format eines Pablo Picasso, Sigmar Polke oder Cy Twombly darf man auf das Endergebnis gespannt sein. Der gestrige Blick hinter die Kulissen war für Unbeteiligte die letzte Gelegenheit vor der Eröffnung das Gebäude zu betreten. Von der Bau-Fertigstellung im Oktober bis frühestens Februar 2009 möchten sich die Kuratoren Zeit lassen, um für jedes Kunstwerk den besten Platz auszusuchen. Auf Farbe brauchen Kunstliebhaber aber auch jetzt schon nicht zu verzichten: Die Fassade ist bereits fertig und wie eine bemalte Skulptur von 36 000 bunten Keramikröhrchen umhüllt. Ob es sich dabei um Kunst, Architektur oder Design handelt, kann jeder in den benachbarten einschlägigen Museen selbst für sich herausfinden.
Text und Bilder von Frank Kaltenbach
Das Museumsgebäude ist farblich in drei Baukörper unterteilt (hell= Kopfbau, mittel = OG Längsriegel, dunkel= Sockel Längsriegel). Zur Türkenstraße im Osten wurde in Abweichung zum ursprünglichen Masterplan der Langbau (l=98 m, b=18m, h=17m) von der Straße zurückgesetzt und eine Baumreihe gegenüber der Wohnbebauung gepflanzt. Der höhere Kopfbau (l=34m, b=17m, h=23m akzentuiert die Ecke des Gebäudeblocks und bildet den nord-östlichen Auftakt zum Kunstareal.
Der Kopfbau korrespondiert mit seiner Dominanz mit dem 8-geschossigen Wohnungsbau von Sepp Ruf aus dem Jahre 1952, einem Klassiker der Moderne, auf der gegenüberliegenden Seite der Theresienstraße (zurzeit hinter Bauplanen verhüllt).
Haupteingang ins Foyer im Erdgeschoss des Kopfbaus
Der schmale Weg zwischen der Westfassade der Sammlung Brandhorst und den Institutsgebäuden aus den 70er Jahren.
Südfassade des Kopfbaus mit dem quadratischen Guckkastenfenster aus dem Cy Twombly-Saal und dem Kunststoff-Vordach zur Lichtumlenkung in die Ausstellungsräume des Erdgeschosses. Hier treffen die drei Farbfamilien der Fassade ( hell, mittel, dunkel) zusammen.
Ostfassade mit Kunststoff-Vordach Lichtumlenkung in die Oberlichtstreifen der Ausstellungsräume im Erdgeschoß und einem Ausblick-Fenster im 1.OG
Ostfassade mit Spiegelung der benachbarten Wohnbebauung der Türkenstraße.
Nordfassade Kopfbau mit Spiegelung der pastellfarbigen Nachbarbebauung in der Theresienstraße.
Detail Keramikfassade Kopfbau. Insgesamt 36 000 dieser 4/4/110cm großen Keramikröhren bekleiden die Gebäudehülle. Die drei Farbfamilien, die die drei Gebäudeteile farblich von einander absetzen, sind in insgesamt 23 Farbtöne abgestuft.
Eckdetail Keramikfassade. Hinter den vertikalen Keramikröhren liegt eine horizontal gefaltete Haut aus perforiertem Aluminiumblech, die als riesige Schallschutzwand den Verkehrslärm und Echoeffekte dämpft.
Foyer im Kopfbau. In dunklem Bordeaux gestrichene Wände lösen sich in ihrer Materialität auf und konzentrieren den Blick ganz auf die Umgebung mit Sep Rufs Wohnungsbau aus dem Jahre 1952. Als einziges Gestalt prägendes Material sind sämtliche Innenausbauten wie Theke, Regale und Wandbekleidungen in solider Eiche, die den Besucher wie ein Kommunikations-Leitsystem in Form von Geländern, Treppenbelägen und tiefen Fensterlaibungen durch die neutral weißen Ausstellungsräume führt.
Architektin Louisa Hutton führt den bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und die Fachpresse durch das noch nicht ganz fertig gestellte Gebäude.
Das Schmuckstück der Sammlung Brandhorst und der Höhepunkt der Promenade architecturale: Der Cy Twombly-Saal im 1. Obergeschoss des Kopfbaus. Der eigentlich trapezförmigen Raumzuschnitts wurde extra für das Werk des Künstlers mit einer gekrümmten Innenschale versehen.
Ein tiefes quadratisches Guckkastenfenster gestattet einen gerahmten Blick nach Süden zur Pinakothek der Moderne.
Mitten im Kunstareal: Blick aus dem Eckfenster im 1. Obergeschoss der Sammlung Brandhorst: links Pinakothek der Moderne (Designmuseum Neue Sammlung, Architekturmuseum der TU München, Graphische Sammlung, Sammlung Moderne Kunst), mitte Alte Pinakothek von Leo von Klenze (weltbekannte Rubenssammlung), rechts Institutsgebäude mit Museum Reich der Kristalle (eventuell nach Abriss der Standort von weiteren Museen), dahinter nicht sichtbar Neue Pinakothek mit Gemälden des 19. Jhdts.
Nach Osten: Kleinteilige zum Teil historische Wohnbebauung der Türkenstraße.
Die Räume im Erdgeschoß werden über horizontale Oberlichtstreifen natürlich belichtet. An der Fassade lenken schräge transluzente Vordächer aus Kunststoff das Licht zur Decke, die es im Raum durch eine Wölbung gleichmäßig verteilt. Die horizontale Untersicht aus Stofflamellen bietet weitere Möglichkeiten der Lichtstreuung und Steuerung.
Ausstellungsraum und Ende der Treppenanlage im Untergeschoss.
Früher Gewalt, heute Kunst: Eingangstor als letzter Rest der ehemaligen Türkenkaserne, der in das neue Kunstareal miteinbezogen wird.








[schliessen]