
Eine schlangenförmige Wohnbebauung, deren Grundriss an Le Corbusiers Plan für Algier ebenso erinnert wie an die Großsiedlungen von Emile Aillaud in der Pariser Banlieue, umspielt die Hügel Montecorvo und La Fonsalalda in der spanischen Weinregion La Rioja. Auch wenn formal einiges an die Konzepte der 1940er- bis 1970er-Jahre erinnert: Das von MVRDV in Logroño geplante Stadtviertel beansprucht eine Pionierrolle für den Städtebau der Zukunft. Die 3000, den Richtlinien sozialen Wohnungsbaus folgenden Wohneinheiten sind nicht dispers über das Gelände verstreut, sondern beanspruchen in kompakter Form nur zehn Prozent des Gesamtareals. Photovoltaikparks im Park unterhalb und Windkraftanlagen auf dem Hügel oberhalb der Siedlung sollen eine CO2-neutrale Energieversorgung garantieren.
Damit ist Logroño-Montecorvo ein Beispiel jener »Eco Cities«, die derzeit an verschiedenen Orten der Welt in Planung sind. In Zeiten des Klimawandels ist die Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien plausibel. Ob das Präfix »Eco« aber nicht mitunter nur ein Schmiermittel darstellt, mit dem hypertrophe urbanistische Visionen leichter bei politischen Entscheidungsträgern passieren, muss diskutiert werden.

Diese Frage wirft etwa das Resort »Zira« auf, das vom dänischen Team BIG (Bjarke Ingels Group) auf einer der Bucht von Baku vorgelagerten Insel im Kaspischen Meer geplant wird. Auf einem Quadratkilometer Fläche sollen sieben Wohngebirge entstehen, deren exzentrische Formen auf die sieben markantesten Berge Aserbaidschans referieren. Als »high-end living with low-end resource usage« beschreiben die Architekten ihr Konzept: Wärmepumpen garantieren die Energieversorgung über das Meer, dazu kommen Sonnenkollektoren, Photovoltaik und ein Offshore-Windpark auf umgenutzten Ölplattformen; Recycling und Abwasseraufbereitung sorgen für minimalen Verbrauch von Ressourcen. Dass es sich indes um eine höchst problematische Kombination aus Luxusapartments, Marina und Freizeitresort handelt, die ganz dem Geist der spekulativen Immobilienwirtschaft verhaftet ist, steht kaum in Abrede. Mit anderen Worten: Ein Verzicht auf dieses Siedlungsmodell wäre zweifelsohne ökologischer als jegliche nachhaltige Garnierung.

Kaum anders verhält es sich mit der »Eco City« Masdar, die derzeit nach Plänen Norman Fosters in der Wüstenlandschaft bei Abu Dhabi realisiert wird. 50.000 Einwohner sollen zukünftig in der dicht bebauten, autofreien und auf Basis des traditionellen arabischen Siedlungsmusters errichteten Stadt leben, 1500 Firmen angesiedelt werden. Immerhin bildet die Idee der Nachhaltigkeit die wirtschaftliche Basis, und auch eine Universität soll sich primär diesem Themenkomplex widmen. Ob das in diesem Maßstab – das Siedlungsgebiet umfasst sechs Quadratkilometer – wirklich gelingen kann, bleibt indes abzuwarten.
Hubertus Adam










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