Drei riesenhafte Stahlbetonstützen, drei hoch aufragende Dachspitzen und dazwischen eine hauchdünne Spannbetonschale, die an den schlanksten Stellen nur 8 cm misst: Mit dieser gewagten Konstruktion hat sich die Alsterschwimmhalle Hamburg – im Volksmund Schwimmoper genannt – ihren festen Platz in der deutschen Nachkriegs-Architekturgeschichte erobert. Gebaut wurde sie 1973 nach Plänen der Architekten Horst Niessen, Rolf Störmer und Walter Neuhäuser sowie des Tragwerksplaners Jörg Schlaich. Letzterer war seinerzeit noch im Stuttgarter Planungsbüro Leonhardt Andrä angestellt.

Neue Schwimmhalle mit altem Dach
Vierzig Jahre später war der Sanierungsbedarf unverkennbar, 2014 wurde sogar ihr Abriss diskutiert – und dies, obwohl sich die einst als Wettkampfstätte errichtete Halle zu einem populären Freizeit- und Familienbad entwickelt hatte.
Außerdem stand das Dach unter Denkmalschutz. Für seine Rettung und die Totalsanierung der darunter liegenden Badelandschaft zeichnete nun Jörg Schlaichs Büro Schlaich Bergermann Partner gemeinsam mit GMP Architekten verantwortlich.

Gewagte Spannbetonkonstruktion
Das Dach wäre in dieser Form heute nicht mehr genehmigungsfähig, genoss jedoch Bestandsschutz. 4500 m² Fläche misst es, hat die Form zweier hyperbolischer Paraboloide und ragt an den Spitzen 24 m weit empor. Zwei der drei Stützenfundamente sind durch ein fast 100 m langes, unterirdisches Zugband verbunden. Es durfte während der Bauarbeiten keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen werden – der Einsturz des gewaltigen Dachs wäre die wahrscheinliche Folge gewesen.

Mehr Becken und ein barrierefreier Zugang
Schwierige Voraussetzungen also für die Sanierung, zumal unterhalb des Dachs erhebliche Änderungen anstanden. Erhalten blieben das 50-m-Schwimmbecken, der 10-m-Sprungturm sowie der sogenannte Fitnesskubus auf der Ostseite. Die kaum noch genutzte Zuschauertribüne musste einem neuen Sprungbecken weichen und das Nebengebäude auf der Nordseite wurde durch einen ein- bis zweigeschossigen Neubau ersetzt. Dort befinden sich der barrierefreie Haupteingang und die Umkleiden, Fitness- und Saunabereiche sowie ein neues 25-Meter-Schwimmbecken und ein Kursbecken. Laut Gmp Architekten wuchs die bisherige Wasserfläche um rund ein Viertel, gut die Hälfte der Innenfläche wurde neu gebaut.

Die Fassadenstützen blieben erhalten
Eine Besonderheit der Schwimmhalle war und ist auch die große Glasfassade, durch die die Dachform erst richtig zur Geltung kommt. Hier blieben die originalen Aluminium-Fachwerkstützen erhalten. Statt einer modernen Dreifachverglasung erhielten die Fassaden aus Gewichtsgründen lediglich eine Zweifach-Isolierverglasung. Für die Auflagerpunkte zwischen Dach und Fassadenstützen entwickelten die Architekten und Tragwerksplaner gemeinsam mit der Firma Implenia Fassadentechnik ein bewegliches Teleskop-Kolben-Auflager, das in der Lage ist, die Schwingungen der Dachflächen auszugleichen.
Architektur: Horst Niessen, Rolf Störmer, Walter Neuhäuser (Bestandsgebäude), gmp Architekten (Sanierung)
Bauherr: Bäderland Hamburg
Standort: Sechslingspforte 15, 22087 Hamburg (DE)
Tragwerksplanung: Jörg Schlaich für Leonhardt und Andrä (Bestandsgebäude), schlaich bergermann partner (Sanierung)
TGA-Planung: Eneratio
Lichtplanung: Conceptlicht
Bauphysik: vRP von Rekowski und Partner
Fassadenberatung: DS-Plan Ingenieurgesellschaft
Landschaftsarchitektur: Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung






