Mehrzweckhalle aus Holz am Bodensee

Das soziale Herz von Markelfingen

 - Hanna Franzen

Vom Yoga bis zur Oldieparty: Mit der Mehrzweckhalle Markelfingen am Bodensee haben Steimle Architekten einen Treffpunkt für alle Generationen geplant. Unter der weit auskragenden Kassettendecke sind anpassbare Räume in Holzbauweise entstanden.

Das soziale Herz von Markelfingen
Die leichte Erhöhung des Holzbaus betont die neue städtebauliche Setzung südlich des früheren Grundstücks. Treppenstufen führen zu den gläsernen Türen des Eingangsbereichs. © Brigida González

Am Westufer des Bodensees, umgeben von Naturschutzgebieten, liegt der Radolfzeller Ortsteil Markelfingen. Die Markolfhalle galt schon früher als beliebter Treffpunkt für Veranstaltungen. Nach einem Brand im Jahr 2018 fehlte dieser Ort der Gemeinschaft. Der Ersatzneubau von Steimle Architekten bildet durch seine flexiblen Nutzungsmöglichkeiten einen zentralen Treffpunkt für Bewohnerinnen und Bewohner. Durch wandelbare Raumgrößen entsteht eine Atmosphäre, die sich harmonisch der jeweiligen Veranstaltung anpasst.

© Brigida González

Ersatzneubau als Treffpunkt

Der Holzbau mit weit auskragendem Dach ist an der südöstlichen Ortsausfahrt schon aus der Ferne zu sehen – und nimmt sich mit seiner schlichten Kubatur dennoch zurück. Eine Nebenstraße führt zum Vorplatz des Gebäudes. Steimle Architekten nutzen das abschüssige Gelände, indem sie das Gebäude in die Hanglage integrieren. Über Treppenstufen gelangen Bewohnerinnen und Bewohner auf den erhöhten Vorplatz. Das Plateau betont die neue städtebauliche Setzung südlich des früheren Grundstücks.

Homogene Erscheinung

Die Fassadengestaltung basiert auf einem wiederkehrenden Raster aus aussteifenden Holzstützen und Fensterflächen. Filigrane Lamellen unterstreichen die vertikale Gliederung und fungieren als Sonnenschutz. Ein brauner Anstrich schützt das Holz vor dem Wetter und sorgt für ein einheitliches Fassadenbild. Mächtige Träger, ebenfalls aus Fichtenholz, tragen das auskragende Dach. Das Gebäude wirkt wie aus einem Guss.

© Brigida González

Vom Yoga zur Oldieparty

Vier hohe Doppeltüren öffnen die Mehrzweckhalle zum Vorplatz. Durch ein Foyer gelangen die Gäste zu einem tannengrünen Kiosk, der als kleiner Kubus im Raum positioniert ist. Der Eingangsbereich geht in eine Galerie mit Blick auf das Spielfeld über. Eine eindrucksvolle Kassettendecke überspannt den stützenfreien Raum. Eineinhalb Sportfelder mit angrenzendem Bühnenraum bilden die flexibel bespielbare Fläche des Neubaus. Eine hölzerne Treppe führt vom Foyer zur tieferliegenden Hallenebene. Unterhalb der Galerie befinden sich Umkleiden und weitere Nebenräume. Am Rand des Spielfelds öffnet sich der Bühnenraum. Schmale Treppenstufen führen hinauf. Sieben weitere Doppeltüren auf der unteren Ebene öffnen die Sporthalle nach draußen und machen den Außenraum zur erweiterten Veranstaltungsfläche. Hier probt der örtliche Fanfarenzug, trainieren Sportgruppen von Yoga bis Volleyball, treffen sich Segler und Fischer. Und am Wochenende verwandelt sich die Halle in einen Veranstaltungsort – vom Kinderkleidermarkt bis zu Oldieparty ist alles geboten.

© Brigida González

Skelettbau aus Fichtenholz

Als Primärbaustoff wählten Steimle Architekten regionales Fichtenholz aus den Wäldern rund um Radolfzell. Außen wie innen bleibt es unverkleidet. Die weitgespannte Konstruktion des Skelettbaus von 21 m erzeugt einen großflächigen, stützenfreien Raum. Aus dem Raster der Kassettendecke ergibt sich die quadratische Form des Grundrisses. Verschraubte Elemente und der unbehandelte Baustoff tragen zur späteren Recycling- und Kreislauffähigkeit bei. So entstand ein Gebäude aus nachwachsenden Materialien, das sich an zukünftige Szenarien anpassen lässt.

Mit der Markolfhalle gewannen Steimle Architekten den ersten Preis in der Kategorie Neubau des Caparol Architektur Awards. Der Architekturpreis würdigt den innovativen und nachhaltigen Umgang mit Farbe, Struktur und Oberflächen in der deutschen, österreichischen und Schweizer Architektur.


Architektur: Steimle Architekten BDA
Bauherr: Stadt Radolfzell


Standort: Pirminweg 5, 78315 Radolfzell am Bodensee (DE)


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