Farbe bekennen

Caparol Architektur Award verliehen

 - Jakob Schoof

Beim Caparol Architektur Award 2026 zeigte sich, wie eng Ästhetik, Bauen im Bestand und Zirkularität mittlerweile zusammengehören. Der Preis für die Gewinner ist Architektur - zu erleben bei einer gemeinsamen Reise nach Gent und Antwerpen.

Caparol Architektur Award verliehen
Mit der Firmenzentrale Jägerbau in Bludenz gewannen Innauer Matt den Sonderpreis „Bauen mit Farbe” im Caparol Architektur Award. © Adolf Bereuter

Kein Zweifel: Nach Jahren der grau-weiß-beigen Monotonie wird die Architektur wieder mutiger. Gradmesser dieser Entwicklung ist auch der diesjährige Caparol Architektur Award, der am 16. September 2026 in Hamburg verliehen wurde. Schon seit 2004 lobt das Unternehmen die Auszeichnung für innovative Architektur mit herausragender Oberflächengestaltung aus – und das vollkommen herstellerunabhängig. Die Verwendung hauseigener Produkte spielt also keine Rolle. 2026 feierte der Preis seine zehnte Auflage – mit neuem Namen und erstmals mit Detail als Partner. Die insgesamt 81, von einer Nominierungsjury aus 13 Architekturbüros vorausgewählten Projekte unterstreichen die immense Bedeutung von Themen wie Bauen im Bestand, Zirkularität und Ressourcenschonung in der zeitgenössischen Architektur.

Mit grün lasierten Holzanbauten hat das Studio Balthasar Wirz die Wohngenossenschaft Wolfmatten bei Basel erweitert.
Mit grün lasierten Holzanbauten hat das Studio Balthasar Wirz die Wohngenossenschaft Wolfmatten bei Basel erweitert. © Kambiz Shafei

Farbakzente im Holzbau

Die zwei Hauptpreise in den Kategorien Neubau und Bauen im Bestand gingen nach Arlesheim bei Basel und nach Radolfzell am Bodensee. Das Studio Balthasar Wirz wurde für seine An- und Umbauten von zwölf Genossenschaftshäusern aus den 1950er-Jahren ausgezeichnet. Mit minimalen Mitteln und im bewohnten Zustand erhielten die Häuser eine neue Fassadendämmung mit Holzverschalung sowie angebaute, vergrößerte Wohnküchen in Holzbauweise. Alt und neu sind farblich differenziert und mit minimalen Eingriffen in die Umwelt umgesetzt. Die zweigeschossigen Erweiterungen stehen auf ressourcensparenden Schraubfundamenten.

Ganz aus Holz - außen dunkelbraun, innen naturfarben - haben Steimle Architekten die Markolfhalle in Radolfzell am Bodensee konstruiert.
Ganz aus Holz - außen dunkelbraun, innen naturfarben - haben Steimle Architekten die Markolfhalle in Radolfzell am Bodensee konstruiert. © Brigida Gonzalez

Ebenfalls aus Holz konstruierten Steimle Architekten die Markolfhalle in Radolfzell. Unter dem weit auskragenden Dach vereint das Bauwerk eine flexibel nutzbare Sport- und Mehrzweckhalle und einen angegliederten Bühnenraum. Das Baumaterial stammt überwiegend aus der Region. Während es an den Fassaden einen braunen Anstrich erhielt, bleibt es im Innenraum naturfarben und offen sichtbar. Nur der tannengrüne Verkaufskiosk und ein gelbes Geländer setzen farbige Akzente.

Roter Sichtbeton und recycelte Leitplanken

Daneben vergab die siebenköpfige Jury unter Vorsitz von Jessica Borchardt (BAID Architektur, Hamburg) zwei Sonderpreise und kürte den Gewinner der Studierendenkategorie. Die Firmenzentrale Jägerbau von Innauer Matt in Bludenz, Vorarlberg, ist eine Symphonie aus rotem Sichtbeton – und ein eindrucksvoller Leistungsnachweis ihres Bauherrn. Umlaufende Bandfassaden aus Betonfertigteilen öffnen das Gebäude zur Stadt. Ein Innenhof mit elliptisch umlaufenden Galerien dient als Treffpunkt für die Belegschaft. Für die eindrucksvoll orchestrierte Materialität des Gebäudes gab es einen Sonderpreis „Bauen mit Farbe“.

Leistungsnachweis eines Betonbauunternehmens: Auch die Innenräume von Jägerbau in Bludenz bestehen aus rotem Sichtbeton.
Leistungsnachweis eines Betonbauunternehmens: Auch die Innenräume von Jägerbau in Bludenz bestehen aus rotem Sichtbeton. © Adolf Bereuter

Der zweite Sonderpreis für zirkuläres Bauen ging an das Büro Felgendreher Olfs Köchling für den Werkhof des Schweizer Kantons Uri. Der Zweckbau wurde konsequent nach dem Prinzip Cradle to Cradle gestaltet. Sichtbarer Ausdruck davon ist die Fassadenverkleidung aus 5 km recycelten Leitplanken der nahe gelegenen Autobahn A4. Die Jury lobt: „In der Tradition von Jean Prouvé wird das Fügen, Schichten und Sichtbarmachen der Bauteile zum gestaltprägenden Prinzip“.

Für Vordach und Fassaden des Werkhofs Uri in Schlattdorf verwendeten Felgendreher Olfs Köchling ausrangierte Leitplanken.
Für Vordach und Fassaden des Werkhofs Uri in Schlattdorf verwendeten Felgendreher Olfs Köchling ausrangierte Leitplanken. © Karina Castro
In der Detailansicht kommt die wettergegerbte Textur der Fassadenhülle besonders gut zur Geltung.
In der Detailansicht kommt die wettergegerbte Textur der Fassadenhülle besonders gut zur Geltung. © Karina Castro

St. Matthäi in Lübeck: Drei Neubauten für ein Gemeindezentrum

Der Students‘ Award stand als einzige Preiskategorie allen Interessenten auch ohne Vorauswahl offen. Zugelassen waren Abschlussarbeiten von Hochschulen in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Der Sieg ging an Yannik Schümann für die Umgestaltung des St.-Matthäi-Gemeindezentrums in Lübeck. Das Konzept sieht vor, die neugotische Kirche um drei Neubauten mit Café, Jugendzentrum und einer Winterkirche zu erweitern. Vor allem die städtebauliche Setzung der drei Baukörper mit einheitlichen Ziegelfassaden und Kupfer-Stehfalzdächern überzeugte die Jury.

Der Preis für die Gewinner ist Architektur zu erleben: bei einer gemeinsamen Reise nach Gent und Antwerpen, denn beim Caparol Award gibt es traditionell ein Architekturerlebnis zu gewinnen. Unmittelbar nach der Jurysitzung brachen alle Preisträgerinnen gemeinsam mit Detail und Caparol zu einer viertägigen Reise nach Antwerpen und Gent auf. Überaus passend zum Thema, denn die Region Flandern ist seit Jahren bekannt für die mutige und mitunter farbige Umnutzung bestehender Bausubstanz.


Seit 2004 würdigt der Caparol Architektur Award visionäre Gestaltungen, innovative Konzepte und nachhaltige Lösungen. Ausgezeichnet werden Architekturprojekte, die mit ihrer Gestaltung und Materialität besondere Qualitäten zeigen.


Die Jury des Caparol Architektur Award 2026 überzeugte vor allem, wie selbstverständlich Farbe, Material und Oberfläche in die Architektur integriert sind. Mehr zur Jury und den ausgezeichneten Projekten: Caparol Architektur Award 2026