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Gebaute Gastfreundschaft

Wie schaffen Gebäude Raum für Nähe, Rückzug - und alles dazwischen? Die Iconic Awards 2026 zeigen, wie Architektur Aufenthalt gestaltet - an der Schwelle, im Material, im Licht.

Gebaute Gastfreundschaft
Das Kleine Ferienhaus auf dem Hof Ahmen von Atelier Sunder-Plassmann. © Clemens Poloczek

Lange galt die Hotellerie als Spezialistin für Aufenthaltsqualität. Heute erleben wir in Gesundheitsbauten, in der Gastronomie, in Wohnhäusern, Kulturinstitutionen und hybriden Arbeitswelten, wie die Frage des Komforts immer stärker ins Zentrum rückt. Damit verschiebt sich auch der Begriff der Gastfreundschaft. Gastlich wird ein Raum dort, wo er Orientierung gibt, ohne zu bevormunden; wo er Nähe ermöglicht, ohne Rückzug zu verhindern; wo er unterschiedliche Rhythmen des Aufenthalts zulässt. Die diesjährigen Iconic Awards zeigen: Gastfreundschaft entsteht nicht erst im Zimmer oder am Tisch. Sie beginnt an der Schwelle, setzt sich in der Folge von Räumen fort und wird über Licht, Material, Akustik und Möblierung körperlich erfahrbar.

Genau hier setzen die Best-of-Best-Gewinnerprojekte der Iconic Awards an. Sie übertragen die räumliche Intelligenz der Gastfreundschaft in sehr unterschiedliche Typologien und Maßstäbe: in ein Gästehaus, ein Ferienhaus, ein Meditationshotel, eine psychiatrische Klinik, eine historische Villa und ein Badhaus.

The Journey of a Stranger, Qibie Arcadia von Studio Mor und Dolma Atelier.
The Journey of a Stranger, Qibie Arcadia von Studio Mor und Dolma Atelier. © Zhang Li, Ai Long

The Journey of a Stranger, Qibie Arcadia von Studio Mor und Dolma Atelier setzt nicht auf die Inszenierung eines fremden Orts, sondern auf das behutsame Weiterbauen an einer vorhandenen Lebensform. Bestehende Höfe, die Küche und der große Ofen bleiben erhalten und werden durch Sitzbereiche, Holzplattformen und gedeckte Übergänge ergänzt. Aufenthaltsqualität entsteht hier aus der langsamen Aneignung eines Orts, nicht aus einem touristischen Programm.

Das Kleine Ferienhaus auf dem Hof Ahmen von Atelier Sunder-Plassmann.
Das Kleine Ferienhaus auf dem Hof Ahmen von Atelier Sunder-Plassmann. © Clemens Poloczek

Das Kleine Ferienhaus auf dem Hof Ahmen von Atelier Sunder-Plassmann verdichtet dieselbe Frage auf nur 55 Quadratmeter. Ein durchgehendes Einbaumöbel gliedert den Raum in Wohnen, Bad und zwei Schlafkojen. Rückzug entsteht damit nicht durch Abschottung, sondern durch die Möglichkeit, Nähe zur Landschaft, gemeinsames Wohnen und individuelle Privatheit immer wieder neu auszubalancieren.

Das Meditation Hotel am Fuß des Yunlong Mountain in Xuzhou führt den Gedanken in einen größeren landschaftlichen Maßstab. Höfe, Wasserflächen und Räume der Kontemplation werden zu einer Folge von Bewegungen und Unterbrechungen. Der Weg durch die Anlage wird zum eigentlichen Instrument des Entwurfs.

Brain Psychiatry Clinic von Labotory.
Brain Psychiatry Clinic von Labotory. © Choi Yong Joon

Mit der Brain Psychiatry Clinic von Labotory überträgt sich diese Haltung in einen therapeutischen Kontext. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ersetzt klinische Härte durch eine ruhige, vertraute Raumfolge. Unterschiedliche Sitzbereiche, offene Zonen und sanfte Übergänge erlauben Nähe, ohne sie zu erzwingen, und Rückzug, ohne Absonderung zu produzieren. Gerade an diesem Beispiel wird sichtbar, wie weit der Begriff der Gastfreundschaft über die Hotellerie hinausreicht.

Brain Psychiatry Clinic von Labotory.
Brain Psychiatry Clinic von Labotory. © Choi Yong Joon

Wie baut man Gastfreundschaft? Nicht durch eine wiedererkennbare Ästhetik und auch nicht durch die bloße Addition komfortabler Angebote. Gastliche Räume nehmen Menschen nicht in Besitz. Sie geben ihnen Orientierung, Schutz und die Freiheit, ihre eigene Form des Dabeiseins zu finden.

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Hersteller: Rat für Formgebung
Produkt: ICONIC AWARDS 2026


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