Wie viel Gestaltungsfreiheit erlaubt modulares Bauen? Beim 6. Detail Modulbaukongress in München ging es um die Chancen und Herausforderungen der Vorfertigung – vom Brandschutz über die Materialwahl bis zur Gebäudetechnik. Entscheidend für die architektonische Qualität sind oft die frühen Planungsentscheidungen.

Ungeregelte Bauprodukte
„Module sind ungeregelte Bauprodukte“, betont Michael Merk von Fire & Timber. Das Baurecht hat Konsequenzen für die Planung. Brandschutz, Materialwahl und Konstruktion müssen beim modularen Bauen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Entscheidungen, die im konventionellen Planungsprozess häufig später fallen, sind hier bereits zu Beginn erforderlich. Wie stark die Gebäudenutzung die Konstruktion bestimmt, zeigt ein Laborneubau in Garching: Aufgrund der Brandschutzanforderungen kamen ausschließlich Stahlmodule von Alho zum Einsatz.

Holz, Stahl oder Hybrid?
Welches Material eignet sich für welche Aufgabe? Neben dem passenden Vorfertigungsgrad entscheiden zunehmend auch Rückbaubarkeit und Wiederverwendung über die Wahl des Systems. Patrick Stremler von Dietrich Untertrifaller Architekten stellte das neu gegründete Hamburger Startup Supertrifaller vor. Am Beispiel des Wohnprojekts Brio in Wien plädierte er für einfache technische Lösungen und bezahlbaren, geförderten Wohnraum im Holzbau. Im Mittelpunkt steht dabei ein auf das Wesentliche reduzierter Gebäudestandard.

Gebäudetechnik: Weniger ist mehr?
Wie unterschiedlich technische Lösungen ausfallen können, zeigten zwei weitere Beiträge. Beim Holzmodulbau Zero in Stuttgart integrierten Riehle Köth Brüstungskästen zum Heizen und Kühlen. Alexander Schechner von Envola setzt dagegen auf ein standardisiertes System oberhalb der Fenster. Es soll zahlreiche Einzelgeräte und haustechnische Gewerke ersetzen und wertvollen Platz sparen. Beide Ansätze haben das gleiche Ziel: Technik soll effizient in den Modulbau integriert werden.

Repräsentativer Modulbau
Dass Vorfertigung und architektonischer Anspruch in idealer Weise zusammenpassen, demonstrierte Sibylle Bornefeld, Architektin und Partnerin bei Sauerbruch Hutton. Am Beispiel des Interimsamtssitzes für das Bundespräsidialamt am Berliner Spreebogen erklärte die Projektleiterin, wie sich langjährige Erfahrung im Holz- und Modulbau in repräsentative Architektur übersetzen lässt. Vorfertigung wird hier nicht zum gestalterischen Selbstzweck, sondern zum Bestandteil eines architektonischen Gesamtkonzepts.

Bad aus dem Werk
Erstmals ergänzte eine Exkursion das Kongressprogramm. In Flintsbach am Inn erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Fertigung von Tjiko. Das Unternehmen produziert individuell konfigurierbare Badmodule bereits ab Losgröße 1.

Fix und anschlussfertig
Wie sich solche Elemente in ein größeres Bauvorhaben integrieren lassen, erläuterte die Architektin Anouck Pesch anhand eines Mehrfamilienhauses mit 81 Wohnungen, Kinderkrippe und Büros in Esch-sur-Alzette. Vorgefertigte Wandelemente, ein Holztragwerk und vollständig ausgestattete Badmodule greifen hier ineinander. Die Bäder werden im Werk produziert, auf der Baustelle eingesetzt und angeschlossen.
Fazit
Modulares Bauen ist kein starres Korsett. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, Konstruktion, Technik und Gestaltung frühzeitig zusammenzudenken. Je präziser die Planung, desto größer der Spielraum für individuelle Architektur.
Der 6. Detail Modulbaukongress fand am 15. Oktober 2026 erstmals in München statt. Unterstützt wurde der Kongress von Alho, Kleusberg, Envola und Tjiko. Gastgeber war Jung – mit dem Showroom von Erco x Jung im historischen Ledigenheim von Theodor Fischer aus dem Jahr 1913.





