Das ursprünglich sehr weitläufige Anwesen im Norden Portugals wurde ehemals land- und forstwirtschaftlich genutzt. Heute ist das Gut nur noch ca. drei Hektar groß und im Besitz einer vierköpfigen Familie. Umgeben von Weinreben und einer Steinmauer blieben das alte Gutshaus, ein Nebengebäude, ein Garten mit Belvedere und ein imposanter barocker Brunnen erhalten. Auf Wunsch der Besitzer restaurierte Alvaro Siza das alte Gutshaus, baute das Nebengebäude als Wohnhaus für die Familie der Tochter aus und erweiterte das Anwesen um ein Schwimmbad, einen Tennisplatz und eine kleine Kapelle. Die Kapelle, die dem Heiligen Santo Ovidio geweiht ist, ersetzt einen im 19. Jh. auf Anweisung des damaligen Besitzers abgerissenen Bau. Die neue Kapelle liegt im Norden des Anwesens in einem erhöhten Waldstück. Die aus dem weiß verputzten Kubus kragende Sakristei bildet eine Art Portikus im abfallenden Gelände, den der Besucher passiert, bevor er die zehn Stufen zum Eingangspodest emporsteigt. Eine ca. 2 × 3 m große Bodenplatte aus Granit führt ins Innere. Sie wurde schon mit den Fundamenten verlegt und bildet so gewissermaßen den Grundstein. Die mit grauem Granit verkleidete Eingangsfassade suggeriert eine achsensymmetrische Ausbildung des Raums. Doch im Inneren überrascht das Spiel mit den Symmetrien. Zwar erhellt ein halbkreisförmiges Fenster mittig den steineren Altarblock, doch das Kreuz ist aus der seitlichen Fassade im Nordosten herausgeschnitten. Die Wandfläche wölbt sich zum Mittelpunkt hin, betont subtil das schlichte, von außen über eine dünne Alabasterscheibe belichtete Symbol. Gegenüber befindet sich die Tür zur Sakristei. Der Sturz ist soweit herabgezogen, dass die Öffnung kaum ins Auge fällt. Alle Möbel entstanden nach den Entwürfen des Architekten. Der warme Farbton der Holzes und das Beige der Tatamimatten nehmen den Sichtbetonwänden ihre Härte. Nur selten wird ein Priester die Kapelle betreten, der Raum ist für die stille Andacht der Familienmitglieder konzipiert. Nichts lenkt störend ab, die Architektur hält sich dezent im Hintergrund.
