Islamischer Friedhof in Altach

Für den islamischen Friedhof in Vorarlberg fanden die Architekten nach intensiver Auseinandersetzung mit der Glaubensrichtung und ihren gesellschaftlichen Hintergründen ein offenes, übersichtlich gestaltetes Gesamtkonzept ohne vordergründige Symbolik. Ausgehend vom konfessionsübergreifenden Bild des Friedhofs als Urgarten, in dem erstmals eine klar definierte Fläche Land abgegrenzt wird, fügten sie ein Geflecht aus Wandscheiben unterschiedlicher Höhe aus Beton in den auenartigen Landschaftsraum. Sie fassen die Grabfelder in eigenständige aber gleichartige Räume, deren Ausrichtung nach Mekka weist. Diese gliedern sich jeweils in einen kompakten Grabbereich und einen kleinen Platz mit Sitzmöglichkeit. Auch alle überdachten Räume der Anlage entwickeln sich gestalterisch aus dem Thema der Mauer. Der nach Wien zweite islamische Friedhof in Österreich veranschaulicht in mehreren Schichten das Zusammenspiel zweier Kulturen. An der Längsfassade neben dem Zugang empfängt den Besucher ein ornamental durchbrochenes Wandelement in islamischer Tradition mit Achteckmotiv, ausgeführt jedoch mit Voralberger Know-How aus Holz. Mit lebendigem Licht- und Schattenspiel prägt es den Versammlungsraum. Als zusätzliche Lichtquellen dienen in ringförmige Deckenaussparungen eingefügte Leuchten mit dicken Glasabdeckungen. Im Gebetsraum (Mescid) befindet sich als Gebetsnische (Mihrab) ein Fenster Richtung Mekka. Vor der weißgekalkten Holzwand hängen drei zueinander versetzte Vorhänge aus Metallgewebe, in das goldbeschichtete Holzschindeln eingeflochten sind. Sie zeichnen in arabischer Schrift die Worte »Allah« und »Mohammed« nach.

Islamischer Friedhof in Altach
© Adolf Bereuter