Schutzdächer in Winnipeg

Wie ein filigranes Origamifaltwerk stehen die sechs geheimnisvollen hölzernen Kokons vor den Toren der kanadischen Stadt im Schnee. Im Zentrum Winnipegs, einer der kältesten Metropolen der Welt, wo die Temperaturen im Winter monatelang auf durchschnittlich minus 20 °C sinken, fließen der Red River und der Assiniboine River zusammen. Sobald deren Oberfläche gefriert, entstehen kilometerlange Eislaufbahnen, die die Einwohner zum Eislaufen, Hockeyspielen und Spazierengehen nutzen. Unter den temporären Dächern können sie sich, geschützt vor Wind und Wetter, ausruhen. Jedes Schutzdach besteht aus fünf Millimeter dicken gebogenen Sperrholzplatten, die formgebende und tragende Hülle zugleich darstellen. Keilförmige Kanthölzer an »Basis«, »First« und »Rückgrat« stabilisieren die nach einem Schnittmuster erstellten Platten. Schrauben verbinden die Elemente an den überlappenden Kanten zu einer konti- nuierlichen Fläche. Der Schnee gleitet von den geölten, steilen Oberflächen ab. In zahlreichen Experimenten an Prototypen erarbeiteten die Architekten die optimale Biegung der Platten. Einschnitte, Lochungen und Öffnungen mindern zu hohe Spannungen im hauchdünnen Material. Die sechs Kokons wenden sich einander paarweise mit ihren Öffnungen im 60°-Winkel zu, ganz wie die lockeren Gruppen ihrer plaudernden Besucher.

Schutzdächer in Winnipeg
© James Dow