Eigentlich ist der Pavillon kein Gebäude, sondern ein Spiegel für die gepflegt geschnittenen Hecken und die knorrigen Bäume der Kensington Gardens, zwischen deren Kronen er sich weit in den Park hinein streckt. Die starken Reflexionen auf der glänzenden Aluminiumoberfläche lassen die Grenzen zwischen gebauter Realität und abgebildeter Umgebung in einem Maße verschwimmen, das schon fast irritiert. Lustig zu beobachten sind die vielen Besucher, die nach ihrem Abbild in der Decke suchen; manch einer rempelt dabei seinen Nachbarn an. Die Menschenmassen, die an einem sonnigen Sonntag hierher strömen, stören die ruhige und sinnliche Atmosphäre des Orts nicht. Dies ist sicher auch der zurückhaltenden Ausstattung des Baus geschuldet: Lediglich eine kleine Kaffeebar erfüllt kommerzielle Wünsche, die auf den ebenfalls von SANAA gestalteten kleinen bunten Holzstühlen befriedigt werden können. Diese stehen in freier Ordnung auf dem Betonboden, der die Dachform nachzeichnet und bereichsweise von weißem Kies umrahmt ist. Kleine Zierbäumchen, teils in großen Terrakotta-töpfen, teils in die Erde gesetzt, wachsen aus dem weißen Kies und erinnern deutlich an die japanische Herkunft der Entwurfsverfasser. Unter einem Teil des Dachs ist ein Raum für Veranstaltungen eingerichtet. Hier trennen vom Dach abgesetzte, geschwungene Acrylglasscheiben Innen- und Außenraum. Leider passen die für jeden öffentlichen Bau notwendigen Notausgangsschilder sowie die an die Stützen gehängten Lautsprecher so gar nicht zu der sich auflösenden Architektur und fallen daher umso stärker ins Auge. Dennoch haben SANAA mit dem diesjährigen Sommerpavillon ein Schmuckstück geschaffen – eine Freude nach dem klobigen Werk von Frank O. Gehry im vergan- genen Jahr. Nach Daniel Libeskind (2001), Toyo Ito (2002), Oscar Niemeyer (2003), Alvaro Siza und Eduardo Souto de Moura (2005), Rem Koolhaas (2006) und Olafur Eliasson mit Kjetil Thorsen (2007) ist der diesjährige Pavillon nun der neunte, den die Serpentine Gallery mit Hilfe von Sponsorengeldern auf ihrem Grund errichtet hat.
Ausschlaggebend bei der Wahl der Architekten ist, dass diese noch kein Gebäude im Vereinigten Königreich errichtet haben. Denn die Serpentine-Direktion will ambitionierte Weltarchitektur nach London bringen, um sie jedermann zugänglich zu machen. Mit dieser Idee fördert die Galerie nicht nur den Ruhm der jeweiligen Architekten, sondern trägt das Interesse an Architektur auch an die Bevölkerung heran – ein Plan, der funktioniert, erfreut sich der Pavillon doch alljährlich enormen Zulaufs; für diesen Sommer werden 250.000 Besucher erwartet. Im Oktober wird die schillerne Wolke dann wieder abgebaut und an den meist bietenden Interessenten versteigert.






