Der Umbau eines ehemaligen Nonnenklosters im Süden von Gent schafft adäquate Lehrräume für Kinder und Schüler mit Hör- und Sehbehinderungen sowie Autismus. Das 1873 errichtete neogotische Gebäude bildet das Zentrum eines Schulensembles und ist in seiner ursprünglichen Substanz erhalten. Über die Jahrzehnte hatte das Haus jedoch eine Vielzahl von Umnutzungen und damit einhergehende Umbauten erfahren. Viele seiner architektonischen Qualitäten gingen dabei verloren. Der 2016 fertiggestellte Umbau beinhaltet eine Restaurierung und die energetische Sanierung des Bestands, den Rückbau der alten Funktionen, sowie funktionale Erweiterungen und Einbauten mit minimalen Eingriffen in die historische Substanz. Die prägnanteste Umgestaltung zeigt sich im Innenhof: Der in den 70er-Jahren mit einer Mensa komplett überbaute Platz ist wieder freigelegt und jetzt diagonal in zwei Bereiche geteilt. Eine trapezförmige Aula (B) mit schräg verlaufendem First bricht mit den Symmetrien des Gebäudes und liefert so einen zentralen Orientierungspunkt. Die frei bleibende Fläche dient wie ursprünglich als Garten und Belichtungsquelle der erdgeschossigen Räume. Neben dem bestehenden Gebäudedurchgang erhielt der Innenhof auf seiner gegenüberliegenden Seite einen zweiten großzügigen Durchbruch nach außen (C). Diese beidseitige Öffnung ermöglichte es, einen zentralen Erschließungsweg durch den Innenhof sowie das gesamte Ensemble zu legen, der die Interaktion zwischen den verschiedenen schulischen Einrichtungen verbessern soll. Vom Hof aus führt eine Treppe in die erste Etage, über das Dach der Aula, welches teils als Terrasse, teils als Gründach gestaltet ist. Um mehr Fläche für Klassenzimmer zu gewinnen, wurde hier im Nordflügel der hofseitige Erschließungsflur auf den Obergeschossen in einen voll verglasten Laubengang (A) ausgelagert, der eine enge Beziehung zum Innenhof herstellt. Die speziellen Anforderungen für die Schüler verlangten klare Strukturen und gleichzeitig eine großzügig dimensionierte vielfältige Wegeführung sowie helle Räume mit ruhigen warmen Farben und bestmöglicher Akustik. Der Einsatz von Holz soll taktile Erlebnisse fördern. Zur besseren Orientierung weisen die Erschließungswege auf jeder der vier Etagen jeweils eine eigene Farbe auf; diese findet sich auch in den Möbelfronten der Badezimmer und Lagerräume der jeweiligen Etage wieder. Für autistische Schüler wurden autonome Räumlichkeiten entwickelt: Einheiten aus jeweils zwei Klassenzimmern sind durch einen Sanitär- und Lagerraum verbunden, mancherorts auch mit eigener Küche für Schüler mit besonders hohem therapeutischem Betreuungsanspruch.
