Cristalleries Planell in Barcelona

 - Frank Kaltenbach

Das Bürgerzentrum im Nordwesten von Barcelona fasziniert zunächst durch seine harsche architektonische Haltung. Die zwei im Winkel zueinander stehenden denkmalgeschützten Fassaden wurden nicht mit all ihren Putzdetails im Stile des Modernisme rekonstruiert, sondern als Ruine aus Ziegel und Naturstein konserviert. Darüber hinaus werden die Bestandsfassaden als integraler Bestandteil eines nachhaltigen Energiekonzepts aktiviert: Die Architekten füllen das dreieckige Grundstück mit einem Neubau aus naturbelassenen Ziegeln, halten aber im Südosten einen Abstand von 2 m zur Bestandsfassade ein. In diesem viergeschossigen, überdachten Atrium steigt die vortemperierte Frischluft nach oben, quillt durch die gekippten Fenster in die Räume, strömt in die Kanäle innerhalb der Flurtrennwände und anschließend in den Luftraum im Membrandach zwischen der äußeren transparenten ETFE-Folie und der inneren schwarzen PVC-Membran. Dort wird sie durch den Treibhauseffekt zusätzlich erhitzt und strömt mit noch höherer Geschwindigkeit über die Spitzen der vier Zeltdächer nach außen. Die Zeltdächer sind nach Süden hin abgeflacht, um die gewünschte Aufheizung und daraus resultierende Sogwirkung zu verstärken. Horizontale Luftbewegungen, die die metallischen Düsen der Dachspitzen durchströmen, verstärken mit dem Venturi-Effekt den Sog in den Abluftkanälen nach oben.

Cristalleries Planell in Barcelona
© Adria Goula