Diskussion: Nutzen und Reiz der Wiederverwertung

Als Marcel Duchamp erstmals 1913 Fahrradfelgen und Pissoirs zu Kunstwerken, so genannten »Readymades«, erklärte, war die Welt schockiert. Seither hat sich der Blick auf die Dinge geändert. Was ist Abfall, was Gebrauchsgegenstand, was Kunst? Und auch dieses Jahr bei der Architekturbiennale in Venedig sind es abgenutzte Gebrauchsgegenstände, die die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Im belgischen Pavillon stellt die Künstlergruppe Rotor alte Tischplatten, Geländer und Bodenbeläge wie Kunstwerke aus, die aufgrund ihrer Patina sinnlicher wirken als im Neuzustand - weit entfernt von jeder praktischen Funktion erhalten sie ein zweites Leben. Für die Bevölkerung in den Entwicklungsländern dagegen ist Recycling die einzige Möglichkeit, an Rohstoffe für den täglichen Bedarf zu gelangen. In Industrienationen stellt Recycling einen wesentlichen Bestandteil nachhaltiger Produktionsweisen dar. Erzeugt es aber auch eine neue Ästhetik?

Diskussion: Nutzen und Reiz der Wiederverwertung
Grafikdesignbüro, Wand aus Zeitschriften, Stockholm 2010; Architekten: Elding Oscarson © Ake E:son Lindman