Diskussion: Architektur der Zukunft

 - Stephan Trüby

Was ist die Architektur der Zukunft, was könnte sie sein? Viel weiß man nicht darüber, außer vielleicht, dass sie auch weiterhin Teil eines digitalen Zeitalters sein wird, allerdings wohl in weitaus radikalerer Art und Weise als bis dato bekannt. Die Sprache kann hier als zuverlässiger Vorbote gelten. Denn längst - so scheint es - haben die Berufsverbände der Architekten die Definitionsmacht über das verloren, was Architektinnen und Architekten üblicherweise treiben: Die Stellenmärkte in Online-Portalen - und selbst in den wenigen verbliebenen gedruckten Karriereseiten der Zeitungen - sind voll von Meldungen, die »Architekten (m/w)« suchen. Freilich geht es dabei fast immer um hoch dotierte »IT-Architekten«. Man muss sich dies aus Old-School-Architektur-Perspektive auf der Zunge zergehen lassen: Auch und gerade IT-Manager denken und planen architektonisch. Für die digitalen Schlüsseltechnologien unserer Zeit ist die Architektur weit mehr als nur eine Übermetapher geworden: Sie, die Architektur, hat sich in ihrer Bedeutung fundamental verändert, und zwar so sehr, dass sich - soviel Prognostik mag erlaubt sein - auch die gute alte Tante Architektur im Sinne von »Häuser planen und bauen« wandeln wird. Im Folgenden seien an drei Beispielen Mutationen des Architektonischen verdeutlicht: dem Prozess des Planens und Entwerfens; dem Denken in Elementen der Architektur und schließlich der Beziehung dieser Elemente zu einem Ganzen.

Diskussion: Architektur der Zukunft
Guggenheim Museum in Bilbao, Frank O. Gehry, 1997 © Paul Raftery/view/artur images