Kaum ein Werkstoff faszinierte die Architekten und Ingenieure im letzten Jahrhundert so sehr wie Glas. Auch heute noch staunt der Betrachter entmaterialisierter Glaskonstruktionen über die Leistungsfähigkeit des transparenten Materials. Neben der Transparenz sind seine zahlreichen positiven Eigenschaften wie Oberflächenhärte, Diffusionsdichte und UV-Beständigkeit wesentliche Faktoren für die Verwendung in der Gebäudehülle. Die Sprödigkeit und das damit verbundene schlagartige Versagen ist die wesentliche negative Eigenschaft. Um dies zu vermeiden, werden alle sicherheitsrelevanten Verglasungen und Glaskonstruktionen aus Verbundsicherheitsglas (VSG) hergestellt. Mindestens zwei Glasscheiben werden mit einer PVB-Folie, die zwischen den Scheiben liegt, laminiert und erhalten dadurch eine Resttragfähigkeit im Versagensfall. Des Weiteren werden Personen vor einzelnen Glassplittern, wie sie bei jedem monolithischen Glasbruch entstehen, geschützt. Seit Jahren wird in Ingenieurskreisen die Leistungsfähigkeit dieser PVB-Folien und der damit einhergehenden Verbundwirkung zwischen den Glasscheiben diskutiert. Rechnerisch und konstruktiv wird diese Verbundwirkung jedoch aufgrund der starken Abhängigkeit von Lasteinwirkungsdauer und Temperatur bis heute in Deutschland nur in seltenen Fällen ausgenutzt.
