Objekt+Produkt: Renovierung der Konzernzentrale der BMW Group im BMW Hochhaus in München

Ein österreichischer Architekt war es, der vor über 30 Jahren das Hochhaus für den Automobilkonzern BMW am Mittleren Ring entwarf. Der Wiener Karl Schwanzer schaffte mit seinem Bau der BMW Group Konzernzentrale einen zukunftweisenden Beitrag zu einer neuen Büroarchitektur, getreu den eigenen Grundsätzen, Emotionen zu wecken, Stimmungen zu erzeugen und den Architekten als Instrument zu sehen, Menschen glücklich zu machen.

Objekt+Produkt: Renovierung der Konzernzentrale der BMW Group im BMW Hochhaus in München
© BMW Group AG

Die Presse überbot sich damals gegenseitig im Lob über das Bürohochhaus. Und wirklich, Architektur und Marke werden hier erstmals virtuos verknüpft – zu einer Zeit, als kaum jemand die Bedeutung von »Corporate Architecture« erkennen konnte. Die Symbiose zwischen Marke und Hochhaus besteht seit über 30 Jahren fort, auch wenn sich die technischen Anforderungen und Standards in den Jahrzehnten änderten. Das Hochhaus hat bis heute nichts an Präsenz und Ausdruck verloren.

Im April 2004 stand eine Grundsanierung der Konzernzentrale an, die im Sommer 2006 mit dem Wiederbezug der Büros abgeschlossen wurde. Rechtzeitig zur Fertigstellung des neuen Erlebnis- und Auslieferungszentrums 2007 wird auch das angrenzende BMW-Museum wieder seine Türen öffnen. Die Sanierung lag in den Händen des Hamburger Architekturbüros ASP Schweger Assoziierte, die sich zum Beispiel mit dem Umbau des ZKM oder der Sanierung zweier Kontorhäuser in Hamburg als kompetenter Ansprechpartner für anspruchsvolle Bauaufgaben erwiesen haben.

Der 99,5 m hohe Turm ist als Hängehaus ausgeführt. Das massive Tragkreuz nimmt die Lasten von 19 Hängegeschossen auf und leitet sie in die vier Hängesäulen ein. Die besondere Konstruktion erlaubte es, die Einzelgeschosse bereits am Boden vorzufertigen und durch ein damals neues Hubverfahren stufenweise hochzuhieven.

Im Zuge der Sanierung wurden die Tragfähigkeit der Konstruktion geprüft. Auch nach über 30 Jahren waren keine nennenswerten Schäden festzustellen. Um die Konstruktion jedoch dauerhaft zu schützen, entwickelten die Architekten eine Einhausung für die vier Beton-Hängesäulen.

Das Gesamtensemble mit Hochhaus, Museum, dazugehörigem Flachbau und Parkhaus steht seit 1999 unter Denkmalschutz. Vor allem die Sanierung der Fassade war eine der schwierigsten Aufgaben der Sanierung, denn neben energetischen mussten auch denkmalschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden.

Die Fassadentafeln, die nun die Pylonen im Dachbereich schützen, wurden speziell für BMW gefertigt. Die österreichische Firma Valenta ließ für die insgesamt acht Halbschalen aus je 52 Einzelstücken eigens eine Werkhalle bauen, denn das größte Segment hat eine Größe von 9 x 5,5 m. Ingesamt wurden 2   302 Fensterelemente verbaut, jedes dritte Fenster ist heute elektrisch öffenbar. Die denkmalgeschützte Fassade wurde von außen komplett gereingt, die innenliegenden Wandelemente entsprechen nach der Sanierung den aktuellen Wärme- und Brandschutzanforderungen.

Heute arbeitet ein ausgeklügeltes Lüftungs- und Klimatisierungssystem mit einer Heiz-Kühldecke im »Vierzylinder«, wie das Hochhaus im Münchner Volksmund genannt wird. Computergesteuert werden die Fenster temperatur- und sonnenstandabhängig bis zu 6 cm geöffnet, zusätzliche Entrauchungsanlagen sind dadurch nicht notwendig.

Die Grundrissform eines Kleeblatts ermöglicht eine große Variabilität in der Büro-Organisation und ein Maximum an natürlichem Licht. Besonderes Augenmerk wurde auf die CI-gerechte Neugestaltung der Büros gelegt. Sowohl die Deckenleuchten, das Unterdeckensystem, die gläsernen Trennwände mit den integrierten Jalousien wie auch die Büromöbel sind Sonderentwicklungen für BMW und entsprechen mit ihren Grau- und Silberschattierungen der »Corporate Identity« des Automobilkonzerns.