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Wohngesundheit unter der Lupe: Das Healthy Homes Barometer

Gesundheit fängt zu Hause an – so lässt sich eine wesentliche Erkenntnis des ersten 'Healthy Homes Barometer' von Velux auf den Punkt bringen. Im Herbst 2014 hatte der Dachfensterhersteller zwei Markforschungsinstitute mit der europaweiten Umfrage zur Wohngesundheit beauftragt, an der insgesamt 12000 Menschen aus zwölf Ländern Europas teilnahmen. Künftig soll das Healthy Homes Barometer jährlich erhoben werden, um auch Veränderungen im Gesundheitsbewusstsein der Europäer ermitteln zu können. Den Umfrageergebnissen zufolge halten die Europäer zentrale Aspekte gesunden Wohnens wie einen ungestörten Schlaf sowie Tageslicht und gute Raumluftqualität für wichtiger als etwa den Verzicht auf Rauchen oder regelmäßigen Sport. Für 90 Prozent der Befragten wäre eine gesunde Innenraumluft überdurchschnittlich relevant bei der Suche nach einer neuen Wohnung, 86 Prozent halten viel Tageslicht für wichtig.

Ebenfalls erhoben wurden die Einstellungen der Befragten zum Energieverbrauch beim Wohnen (gemessen an den Energiekosten) sowie zu den Umweltwirkungen von Baumaterialien. Das Ergebnis: Während die Senkung der Energiekosten – neben der allgemeinen Komfortsteigerung – für den Durchschnittseuropäer der wichtigste Grund ist, das eigene Haus zu sanieren, spielt die Ökologie der Baustoffe für sie nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Werden Gesundheitsrisiken in der Wohnung unterschätzt?
Geht man der Frage nach, warum die Europäer Tageslicht und gute Luft in der Wohnung schätzen, zeigt sich ein ambivalentes Bild: Offenbar, so schlussfolgern die Autoren der Studie aus den Befragungsergebnissen, assoziieren die meisten Menschen Licht und Luft eher mit allgemeinem Wohnkomfort als mit „harten“ gesundheitlichen Fakten. Einer Eurostat-Statistik zufolge leben 80 Millionen oder 16 Prozent aller Europäer in feuchten Wohnungen mit erhöhtem Risiko für Schimmelbefall. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik schätzen, dass fast zwei Millionen von ihnen deshalb unter Asthma leiden. Dennoch äußerten sich im Healthy Homes Barometer 78 Prozent der Befragten zufrieden mit der Luftqualität in ihrem Zuhause. Und nur 28 Prozent hielten es für notwendig, ihre Wohnung im Winter mehr als einmal täglich zu lüften, was als Mindestmaß für eine gute Luftqualität in den Innenräumen gilt. Selbst in Haushalten, in denen eine oder mehrere Personen unter Asthma leiden, wird nicht häufiger gelüftet als anderswo. Natürlich ist seltenes Lüften nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass den Menschen ihre Gesundheit gleichgültig ist. Es könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass etwa die Bewohner tagsüber meist außer Haus sind und daher nicht lüften können. Auffällig ist jedoch, dass laut Healthy Homes Barometer Gesundheits- und Energiebewusstsein Hand in Hand gehen: Diejenigen Europäer, denen die Energiekosten beim Umzug in eine neue Wohnung am wichtigsten sind, lüften auch häufiger als andere. Und noch eine Erkenntnis förderte die Befragung zutage: Frauen und ältere Menschen sind durchschnittlich gesundheitsbewusster als Männer und jüngere Mitbürger.

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(K)Ein Fall für die Gesetzgebung?
Auf die Frage, wer vorwiegend für die Sicherstellung der Wohngesundheit verantwortlich ist, nannten die Befragten am häufigsten Gebäudeeigentümer, Bauträger und Architekten. Die Mieter oder Bewohner selbst sowie der Gesetzgeber tragen ihrer Ansicht nach sehr viel weniger Verantwortung. Ob diese Haltung jedoch in sich schlüssig ist, erscheint fraglich: Viele Bauherren investieren in ihre Gebäude nun einmal nur gerade so viel, dass sie die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen. Und diese sind in gesundheitlichen Fragen oft erstaunlich lax, wie jüngst eine Studie des Buildings Performance Institute Europe (BPIE) ergeben hat. Von den acht untersuchten EU-Mitgliedsstaaten und Regionen haben gerade einmal vier verbindliche Mindeststandards für das Tageslichtniveau in Wohnungen festgelegt – Deutschland ist nicht darunter. Noch mangelhafter ist die Situation bei der Luftqualität in Bestandsgebäuden: Bei jeder größeren Sanierung gelten mittlerweile verpflichtende Mindest-Wärmeschutzstandards, die einzuhalten sind. Oft steigt im Zuge der Sanierung auch die Luftdichtheit der Gebäudehülle drastisch. Doch ob danach auch noch genügend Frischluft ins Haus gelangt, bleibt oft dem Bauherren oder dem Zufall überlassen, weil die Erstellung eines Lüftungskonzepts bei Sanierungen in kaum einem EU-Land zwingend vorgeschrieben ist. Zwar gibt es hierfür Empfehlungen – so in Deutschland im Rahmen der DIN 1064-4 – doch ob diese in ihrer jetzigen, nicht bindenden Form ausreichen werden, muss die Zukunft zeigen. Bei der Vorstellung des Healthy Homes Barometer in Brüssel herrschte denn auch allgemeiner Konsens in einem Punkt, den die dänische EU-Abgeordnete Christel Schaldemose so ausdrückte: „Die europäische Politik sollte sehr darauf achten, dass beim Bau oder der Sanierung von Gebäuden nicht nur die Energieeffizienz betrachtet wird, sondern im gleichen Maß auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen, die darin leben und arbeiten.“

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