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60 Jahre Architektur: Patrik Schumacher über das Detaillieren

2008 prägte Patrik Schumacher den Begriff Parametrismus, die er als Stilrichtung für das 21. Jahrhundert festlegt. Gemeint ist das Schaffen weicher und differenzierter Formen mit Hilfe von leistungsstarken Computern. Wie der Direktor von Zaha Hadid Architects die Architektur der Zukunft sieht und wie fruchtbar die 1960er-Jahre, verrät er uns anlässlich des 60-jährigen Jubiläums von DETAIL.

Was haben uns die 1960er-Jahre in der Architektur hinterlassen?
Die 1960er-Jahre waren (wie die 1920er-Jahre) ein erstaunlich fruchtbares Jahrzehnt für die Architektur und für die Kultur und Technik im Allgemeinen. Das Jahrzehnt erlebte die Fertigstellung ausgereifter Meisterwerke der Moderne wie Le Corbusiers Versammlungspalast in Chandigarh, Louis Kahns Salk-Institut, Mies van der Rohes Berliner Nationalgalerie und Oscar Niemeyers Außenministerium in Brasilia, um nur einige zu nennen. Es brachte aber auch einen neuen radikalen Avantgardismus durch Gruppen wie die Metabolisten, Archigram, Superstudio, die Situationisten usw. Darüber hinaus erzielten die 1960er-Jahre bedeutende Fortschritte in der Architekturtheorie durch Persönlichkeiten wie Christopher Alexander und Colin Rowe. Es war auch das Jahrzehnt, in dem die Architektursemiotik erstmals auftauchte. Und nicht zuletzt brachten die 1960er Jahre durch Negropontes „Architecture Machine Group“ am MIT (Massachusetts Institute of Technology) die erste kreative Auseinandersetzung der Architektur mit digitalen Computern.

Wann sind Sie DETAIL zum ersten Mal begegnet?
Ich bin Detail Mitte der 1980er-Jahre an der Universität Stuttgart begegnet, wo ich Architektur studiert habe. Damals verfolgte ich aufmerksam die Arbeit von Norman Foster und der britischen High-Tech-Schule, bei der die kreative Detailgestaltung von entscheidender Bedeutung ist. Die endgültige Detaillierung architektonischer Arbeiten genau zu überprüfen, bleibt auch in der heutigen Zeit, in der komplexe Projekte mit Hilfe von Ingenieuren, auch Fassadeningenieuren, entworfen werden, von großer Bedeutung. Das Detaillieren ist nicht nur eine technische Disziplin, sondern es ist entscheidend für die ästhetische, emotionale und semantische Leistung von Gebäuden.

Wo glauben Sie steht die Architektur in 60 Jahren?
In 60 Jahren wird die Detailarbeit immer noch von entscheidender Bedeutung sein. Die Architektur wird sich als Disziplin stärker auf die Gesamtheit sozialer Aufgaben konzentrieren. Sie wird ihre wesentliche Kernkompetenz – den Wechselwirkungen zwischen Kommunikationsformen einen Rahmen zu geben – mittels ihrer eigenen kommunikativen Kapazität gestalten. Man wird erkennen, dass die Bedeutung der Semiologie darin liegt, der Schlüssel zu einer erfolgreichen Architektur zu sein. Ich sehe ebenso voraus, dass es zu einer Verschmelzung von urbanen und architektonischen Räumen mit Räumen der virtuellen Kommunikation, etwa dem Cyberspace kommen wird. Dabei wird die Architekturdisziplin die bisherige Rolle der Grafikdesigner für sich vereinnahmen, indem sie für das Design vieler oder sogar der meisten Webanwendungen verantwortlich zeichnen wird.

Patrik Schumacher ist Direktor von Zaha Hadid Architects, wo er seit 1988 arbeitet. Er war maßgeblich daran beteiligt, Zaha Hadid Architects zu einer starken globalen Architektur- und Designmarke zu entwickeln, die heute 400 Menschen beschäftigt. Patrik Schumacher studierte Philosophie, Mathematik und Architektur in Bonn, Stuttgart und London. Sein Architekturdiplom erhielt er 1990.  Seit 2003 ist er Partner und Co-Autor aller Projekte von Zaha Hadid Architects. 2010 gewann Patrik Schumacher zusammen mit Zaha Hadid für das MAXXI in Rom den Stirling Prize des Royal Institute of British Architects für herausragende Architektur. Er ist Akademiemitglied der Berliner Akademie der Künste. 1996 gründete er das Design Research Laboratory an der Architectural Association in London, wo er auch lehrt. 1999 schloss er seine Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Universität Klagenfurt ab. Patrik Schumacher hält weltweit Vorträge und hatte kürzlich den John Portman Chair in Architecture an der GSD in Harvard inne. In den letzten 20 Jahren hat er über 100 Artikel in Architekturzeitschriften und Texte für Bücher veröffentlicht. Im Jahr 2008 prägte er den Begriff Parametrismus und hat seitdem eine Reihe von Manifesten veröffentlicht, die den Parametrismus als neuen epochalen Stil für das 21. Jahrhundert festlegen. 2010/2012 veröffentlichte er sein zweibändiges theoretisches Opus magnum „Die Autopoiesis der Architektur“. Patrik Schumacher gilt als einer der prominentesten Vordenker in den Bereichen Architektur, Urbanismus und Design.

60 Jahre Architektur: Patrick Schumacher über das Detaillieren, Foto: Kim Mun
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