You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Palast zwischen Krautäckern – Züblin-Haus in Stuttgart (1983-84)

Züblin und Beton – das galt im deutschen Südwesten mehr als 100 Jahre lang als Synonym. Schon um 1900 hatte Firmengründer Eduard Züblin eine Lizenz des damals weltweit führenden Betonbausystems von Francois Hennebique erworben. Mit Gottfried Böhms Mariendom in Velbert-Neviges realisierte das Unternehmen in den 1960er-Jahren ein Hauptwerk der Betonarchitektur im Nachkriegsdeutschland. 20 Jahre später jedoch stand es um den Ruf des Stahlbetons nicht mehr zum Besten. Die Postmoderne bevorzugte Naturstein, Ziegel, lackierten Stahl und bunt beschichtete Spanplatten – aber nicht die schnöde Ehrlichkeit sichtbarer Betonflächen. Um Imagepolitur für Material und Unternehmen zu betreiben, wandte sich Züblin für den Bau seiner neuen Hauptverwaltung am Stadtrand von Stuttgart erneut an Böhm. Wie verlangt, entwarf dieser ein Haus aus Betonfertigteilen – und überraschte seinen Bauherrn zugleich mit einer riesigen Glashalle, die er zwischen die beiden Büroflügel einfügte. Der 24 m breite und 60 m lange, von einem gläsernen Krüppelwalmdach überspannte Raum ist unbeheizt und war doch von Anfang an der wichtigste Treffpunkt der rund 700 Mitarbeiter im Haus. Seit vielen Jahren finden darin auch Konzerte, Opernveranstaltungen und andere Kulturevents statt. Zwei Aufzüge, Wendeltreppen und lange Stege führen aus der Halle in die angrenzenden Büroetagen. Ihr Pendant finden die aufwändig inszenierten Treppenanlagen in vier Treppentürmen aus rostroten Betonfertigteilen an den Längfassaden, die dem Bau den Charakter eines postmodernen Renaissanceschlosses geben. Wohlgemerkt: Dieses Firmenschloss steht im Gewerbegebiet an einer Ausfallstraße zwischen zwei Stuttgarter Stadtteilen. Vorne erstrecken sich Krautäcker, hinten Streuobstwiesen. Dazwischen ragt die transparente Glashalle als faszinierendes, überdimensioniertes Monument der Unternehmenskultur empor, neben dem sich alle späteren Büroatrien als gebaute Sparmaßnahmen ausnehmen.

Online-Datenbank DETAIL inspiration

Die vierseitige Projektdokumentation des ursprünglichen Gebäudes von Gottfried Böhm finden Sie in unserer digitalen Datenbank DETAIL inspiration. Die Bild- und Referenzdatenbank unterstützt Sie bei der Suche nach Baulösungen über visuelle Inspiration – lösungsorientiert, kontextrelevant und punktgenau. Mit über 5.800 dokumentierten Projekten aus 60 Jahren DETAIL ist DETAIL inspiration eine hochwertige Recherche- und Inspirationsquelle für Architekten und Bauingenieure. Durch laufende Updates wird die Datenbank ständig erweitert und liefert Ihnen dank ihres klar strukturierten Such-und Auswahlsystems schnelle Ergebnisse. Lernen Sie die DETAIL inspiration im Video kennen! 

Link zur Projektseite der DETAIL inspiration Datenbank 
> Jetzt die Online-Datenbank für Architekten und Bauingenieure einen Monat kostenlos testen

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
/0
Kistefos Museum, Oslo, BIG

Let’s twist again: Kistefos Museum bei Oslo von BIG

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.