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Variabel und divers: March Gut über zukünftige Anforderungen an die Architektur

March Gut arbeiten an der Schnittstelle zwischen Mensch und Raum. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums fragen sich Christoph March und Marek Gut, wie unsere Städte lebenswerter werden können.

Wann sind Sie zum ersten Mal auf Detail gestoßen, und was verbinden Sie mit unserer Zeitschrift?

Die Zeitschrift Detail begegnete uns beiden schon früh, noch als Jugendliche in Papas Büro. Unsere beiden Väter sind Architekten. So wuchsen wir in einem Umfeld auf, in dem Architektur eine große Rolle spielte. Bei uns Zuhause wurde weniger über die Nachbarn als über die neuesten Bauwerke debattiert, was auch erklärt, warum wir uns als Designer heute ganz offen mit architektonischen Fragen beschäftigen. Keine Berührungsängste mit anderen Disziplinen zu haben, ist etwas, was den Beruf des Designers auszeichnet. Mit unseren Projekten arbeiten wir permanent an den Schnittstellen zwischen Mensch und Raum sowie Mensch und Technik. Dabei verfolgen wir eine interdisziplinäre und integrative Arbeitsweise die sich immer um die Nutzerinnen dreht.

Letztes Jahr sind wir zum ersten Mal selbst ins Detail-Magazin gekommen! :) In der Sonderausgabe Detail Interiors wurde unser Projekt Grand Garage publiziert. Für diese Innovationswerkstatt in der Tabakfabrik Linz haben wir ein umfassendes Möbel- und Interior-Konzept entwickelt mit Räumen, die sich leicht an die jeweiligen Anforderungen anpassen lassen und Möbelbausätzen, die von den Nutzern einfach adaptiert und selbst vor Ort produziert werden können. Ein hohes Maß an Modularität und Flexibilität – dabei langlebig und ressourcenschonend – ist auch ein zentrales Merkmal unserer Möbelserien. Diese Anforderungen lassen sich genauso auf die Architektur übertragen. In den letzten 60 Jahren hatten sie jedoch leider nicht immer die höchste Priorität.

Mit welchen Problemen müssen wir uns in Zukunft befassen?

Wenn wir uns die Probleme der Gegenwart verdeutlichen, sehen wir klar, was wir in Zukunft brauchen werden. Der persönliche Wohnraum ist durch die weltweite Pandemie auf dem Prüfstand. Zu enge Wohnungen, zu wenig Grünraum, zu heiße Städte, zu weite Distanzen und schlechte Anbindungen. Der Wunsch nach dem Einfamilienhaus im Grünen ist so groß wie nie. Wer es sich leisten kann, zieht raus uns pendelt zur Arbeit in die Stadt. Wenn wir nicht lebenswertere Städte ermöglichen, werden wir unseren verschwenderischen Lebensstil nicht in den Griff bekommen. Hier ist Architektur gefragt, die sich anpassen kann und die so kleinteilig, variabel und divers ist, wie ihre Nutzer*innen es sind. Dachgärten, Dächerbrücken, Hängebalkone, Stadtteilbäder, Tanzböden usw.: Wir brauchen variable Nutzungsformen und Grundrisse und umsichtige Architekt*innen und Gestalter*innen sowie einen grundlegenden Wertewandel in der Politik.

Danke Detail, dass ihr diese Projekte und Menschen sichtbar macht. Weiter so und alles Gute zum Geburtstag! 

Christoph March und Marek Gut gründeten 2010 das Designstudio March Gut. Die beiden Industrial Designer arbeiten in den Bereichen Produkt- und Möbeldesign, sie gestalten Innenräume und Ausstellungen. Im engen Austausch mit den Kunden entwickeln sie Konzepte, die Projekt und Nutzer in den Mittelpunkt stellen. Ihre analytische Herangehensweise ist funktionsorientiert und offen für neue Wege und Technologien. March Gut suchen nach einem sinnvollen Umgang mit Ressourcen und bevorzugen das Arbeiten mit natürlichen Materialien.

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