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98,5 % Ökologie: Bloomberg-Bürogebäude in London

Michael Bloomberg ist Medienunternehmer, Milliardär, ehemaliger New Yorker Bürgermeister – und UN-Sondergesandter für Städte und Klimaschutz. Auf dem Klimagipfel in Bonn im Herbst 2017 gehörte er zu jenen prominenten US-Amerikanern, die sich in scharfer Opposition zum eigenen Präsidenten für mehr Klimaschutz in der Welt stark machten.

Wer sich so für eine gute Sache exponiert, muss auch im Geschäftsleben den Worten Tagen folgen lassen. Für die neue Europazentrale seines Medienkonzerns in London strebte Bloomberg daher nach höheren ökologischen Weihen. Städtebaulich nimmt sich der Neubaukomplex im Höhenwettstreit in der Londoner City dagegen wohltuend zurück. Acht Geschosse ragen seine Fassaden aus Glas, Sandstein und Bronzeblech in die Höhe, darüber folgen nochmals zwei zurückgesetzte Dachgeschosse. Insgesamt finden rund 4000 Mitarbeiter in den Großraumbüros ihren Platz. 

Die neue Bloomberg-Zentrale steht nur einen Steinwurf von der Bank of England entfernt in der Londoner City. Gegenüber erhebt sich James Stirlings unlängst denkmalgeschütztes Geschäftsgebäude »One Poultry«, ein schön-schräges Relikt aus der hohen Zeit der Postmoderne. An den drei Ecken des Grundstücks ließen Foster + Partners kleine öffentliche Plätze anlegen; zudem teilt eine öffentliche (wenn auch recht enge und düstere) Einkaufspassage das massige Gebäudevolumen in zwei Teile. Laut Bloomberg greift sie den Verlauf einer Straßenverbindung auf, die schon in der Antike bestand. Ein weiteres historisches Relikt ist im Untergeschoss des Neubaus zu besichtigen: Dort steht die Teilrekonstruktion eines spätantiken Mithrasheiligtums, das einst an fast gleicher Stelle stand. 

Mit 98,5 % aller erreichbaren Punkte erreicht das Gebäude die höchste Bewertung, die je ein größeres Bürogebäude im Rahmen einer Vorzertifizierung (design stage assessment) im britischen BREEAM-Nachhaltigkeitssystem erreicht hat. Greifbar werden die Qualitäten unter anderem beim Wasserverbrauch (73 % geringer als bei einem gleich großen Standardgebäude) und beim CO2-Ausstoß (35 % weniger als Bürogebäude in Großbritannien laut Gesetz emittieren dürfen). Nach Angaben der Architekten entspricht die CO2-Einsparung 600 Tonnen jährlich – soviel wie ein Pkw bei 120 Erdumrundungen ausstößt. 

Schon die Fassaden geben zu erkennen, dass hier auf Energieeinsparung geachtet wurde.  Weit hervorstehende, voluminöse Brise-soleils aus Bronze spenden Schatten und dienen überdies mit integrierten, schallgedämmten Klappen der natürlichen Lüftung. Weil das allein zur natürlichen Luftzufuhr natürlich nicht ausreicht, gibt es im Haus eine Lüftungsanlage, die die Frischluft vorwiegend dorthin lenkt, wo Sensoren einen besonders hohen CO2-Gehalt der Innenraumluft (und damit eine hohe Belegung mit Mitarbeitern) anzeigen. Pro Etage gibt es rund 70 solcher CO2-Sensoren – das ist einer für jeweils elf Arbeitsplätze. 

In den Obergeschossen dominieren Großraumbüros. Um wenigstens etwas Licht in die sehr tiefen Grundrisse zu bringen, fügten die Architekten in den größeren der beiden Baukörper ein glasüberdecktes Atrium ein. Darin durchläuft eine 200 m lange Erschließungsrampe in Form eines dreiblättrigen Kleeblatts alle Büroebenen. Die traditionelle Vertikalerschließung mit Aufzügen und Fluchttreppenhäusern ist hingegen in die Gebäudeecken verbannt. 

Einen weiteren Blickfang bildet die orientalisch anmutende Bürodecke, die sich als wahres Multifunktionstalent entpuppt. In die rund 4000 Deckenpaneele sind Kühlung, Beleuchtung und akustische Dämpfung integriert. Die rund 500.000 LED-Lichtpunkte sollen verglichen mit traditionellen Leuchtstoffröhren etwa 40 % Energie einsparen. Die facettierte Unterseite der Metalldecke erhöht die Fläche für die Kälteabstrahlung. Zudem ist Metall ein guter Wärmeleiter, sodass die Kühldecke mit höheren Vorlauftemperaturen betrieben werden kann als andere vergleichbare Systeme. 

Strom und Wärme bezieht der Gebäudekomplex aus einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk aus dem Grundstück. Die darin erzeugte Wärme lässt sich mittels einer Absorptionskältemaschine auch zur Gebäudekühlung verwenden. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach trägt zusätzlich dazu bei, die Bloomberg-Stromrechnung zu senken. 

Wasserrecycling ist ein weiterer wesentlicher Baustein der Nachhaltigkeitsstrategie. Das Regenwasser vom Dach, das Wasser aus den Rückkühlwerken der Kältemaschine sowie das Wasser aus Waschbecken und Duschen werden gesammelt und für die Toilettenspülung verwendet. Um auch dort den Bedarf zu senken, sind im ganzen Haus Vakuumtoiletten installiert, die nur rund ein Siebtel so viel Wasser benötigen wie traditionelle WCs. 

Bei energieeffizienten Gebäudenutzungen  wie dieser spielt die graue Energie üblicherweise eher eine Nebenrolle. Doch auch hier gab es Anstrengungen: Im Rohbau des Gebäudes ist Beton mit bis zu 60 % Recyclingzuschlag verbaut.

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