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Alle wollen das Eine: wohnen

Wohnen ist quasi ein Grundrecht der Menschen in der westlichen Welt. Doch eine bezahlbare Wohnung in den deutschen Städten und Ballungsräumen zu finden, gleicht mehr und mehr einem Glücksspiel. Der demographische Wandel, gestiegene Ansprüche und Baukosten bei einer zugleich sinkenden Zahl von Sozialwohnungen sowie nicht zuletzt der Zuzug infolge der Verstädterung sorgen für eine stetig wachsende Nachfrage nach urbanem Wohnraum. Die unterschiedlichen Aspekte des Wohnraummangels sind so zahlreich wie vielfältig. Zunächst möchten zunehmend mehr Menschen in Städten und ihren Einzugsgebieten leben. Zum einen sorgen veränderte Lebensstile, aber auch Familienkonstellationen dafür, dass das Leben in der Stadt attraktiver erscheint. Zum anderen führt die Veränderung der Arbeitswelt infolge von Digitalisierung und geforderter Flexibilität zu einem engeren Zusammenrücken von Wohnen und Arbeiten. Hinzu kommt, dass im Vergleich zum Jahr 1900 heute pro Kopf viermal so viel Wohnfläche beansprucht wird.

Dabei fordern die veränderten Verhältnisse und Konstellationen eine Abkehr vom gewohnten Standardgrundriss mit Küche, Bad und zwei bis vier Zimmern zu einem flexibleren und bedürfnisorientierten Wohnen. »Wohnen ist ein gesellschaftlich aktuelles, wichtiges und zugleich vielschichtiges Thema«, formuliert es Ursula Kleefisch-Jobst, geschäftsführende Generalkuratorin des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI). Die Ausstellung gliedert sich in fünf thematische Häuser, die unterschiedlich gestaltet in Verbindung miteinander stehen und im Ganzen betrachtet die aktuelle Situation des heutigen Wohnens widerspiegeln. Während der Themenblock »Küche. Diele. Bad« den gesellschaftlichen Wandel mit seinen Auswirkungen auf das Wohnen in seiner kleinsten Einheit beleuchtet, erläutert »Das Haus« die unterschiedlichsten Wohnungsbau-Typologien vom Wohnblock über Zeilenbebauung bis zum Wohn-Hochhaus. Das Themenfeld »Wohngebiete« geht noch einen Schritt weiter. Hier wird zum einen die Entwicklung der Städte und Ballungsräume insbesondere in ihren Randgebieten skizziert, zum anderen beleuchtet es die Imagefrage von Großsiedlungen oder auch die neuerdings wieder gepriesene Kultur der Dichte. Weiteres Hintergrundwissen liefern die beiden Themenhäuser »Die Akteure« und »Recht auf Wohnen«. Während sich das erste Haus mit den Beteiligten wie Architekten und Planern, aber auch Bauherren, kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsträgern, Baugruppen und nicht zuletzt Bewohnern beschäftigt, widmet sich das letztgenannte Haus den rechtlichen Grundlagen und ihrer Entwicklung seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Ergänzt wird die Ausstellung des M:AI durch ein Sondermodul der Architektenkammer NRW. Hier werden Thesen zum Zusammenhang von »Urbanität und Dichte« formuliert und skizziert, wohin sich die Quartierplanung in Deutschland entwickelt.

Eines zeigt »Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar« ganz deutlich: Blickt man auf die Historie des sozialen und geförderten Wohnungsbaus in Deutschland zurück, so offenbart sich grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte des Wohnens für alle. Heutige Konzepte lehnen sich nicht selten an Ideen von Architekturgrößen wie den Brüdern Taut oder dem Frankfurter Siedlungspionier Ernst May an. Auch die Siedlungsanlagen von den 1920er- bis zu den Nachkriegsjahren zeigen versteckte Potenziale der vergangenen Planungen, geben Anlass zu einem genauen Blick und Diskussionspotenzial. Die Lösung der Frage nach bezahlbarem Wohnraum für alle ist eine der zentralsten Aufgaben unserer Gesellschaft, und nicht zuletzt deshalb auch Anlass und Hintergrund für eine Vielzahl von Forschungsthemen und -projekten.

Begleitend zur Ausstellung findet folgende Veranstaltung statt:
»Neue Qualitäten im geförderten Wohnungsbau«: Mittwoch, 7. Februar 2018, 18.30 Uhr
Ein Diskussionsabend mit: Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW; Kay Noell, Leiter des Referats Experimenteller Wohnungsbau, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen; Xander Vermeulen Windsant, XVW Architectuur, Preisträger des Mies van der Rohe Award 2017; Ursula Kleefisch-Jobst, Generalkuratorin des M:AI NRW

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