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Ambient Mobility: Neue Mobilitätsformen für die Stadt der Zukunft

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) starteten vor wenigen Wochen die Kooperation „Ambient Mobility Lab“. Das deutsch-amerikanische Kooperationsprojekt sucht nun nach Lösungen für eine nachhaltige Mobilität in urbanen Zentren der Zukunft. Im Jahr 2050 wird mit einer Weltbevölkerung von voraussichtlich über neun Milliarden Menschen gerechnet, von denen mehr als drei Viertel in Städten leben werden. Es ist dringend notwendig, dass sich die städtischen Strukturen vorausblicken schon heute an die gesteigerten Mobilitätsanforderungen anpassen und neue Formen der Mobilität entwickelt werden, die in bestehende Stadtstrukturen integriert werden können.

Im Ambient Mobiltiy Lab werden die Besonderheiten unterschiedlicher Fahrzeuge, Mobilitäts- und Energiekonzepte verschiedener Städte untersucht (Grafik: Ambient Mobility Lab, Jochen Verhasselt, IAO)

Im Forschungslabor „Ambient Mobility Lab“ haben sich nun die beiden auf diesem Gebiet führenden Institute, das Fraunhofer IAO und das SENSEable City Lab des MIT, zusammengeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam zukunftsfähige Mobilitätskonzepte zu entwickeln, zu bewerten und zur Anwendung zu bringen. Dazu gehören innovative Spitzentechnologien wie autonomes Fahren, neue Antriebskonzepte, Sharing-Lösungen sowie Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality und selbstverständlich die Beantwortung der Frage, wie diese Technologien mit bestehenden und künftigen Stadtsystemen interagieren werden.

Die Forschungsfelder des Ambient Mobility Labs von IAO und MIT (Grafik: Ambient Mobility Lab, Jochen Verhasselt, IAO)

„Um die Mobilität von morgen zu gestalten benötigen wir nicht nur neue Mobilitätskonzepte, sondern auch eine intelligente IT-Infrastruktur, die diese sinnvoll miteinander vernetzt und gewinnbringend in die Stadt integriert“, erläutert Wilhelm Bauer, Leiter des Fraunhofer IAO. Durch den zukünftig stark wachsenden Einsatz von Sensoren, vernetzten Technologien sowie die daraus erwachsenden großen Datenmengen wird sich das Mobilitätskonzept, laut der Wissenschaftler, bereits in naher Zukunft grundlegend ändern. Carlo Ratti, Leiter des SENSEable City Lab am MIT, ergänzt: „Da unsere Städte zunehmend zu „Open-Air-Computern“ werden, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten – insbesondere im Bereich Mobilität. Die Elektrifizierung bringt neue Antriebstechnologien hervor, autonomes Fahren lässt die Grenzen zwischen Individual- und Massentransport verschwimmen und Daten sorgen für veränderte Multimodalität und Nutzerinteraktion. Wir können ohne Übertreibung sagen, dass wir in puncto Mobilität derzeit eine der größten Umgestaltungen der letzten hundert Jahre erleben.“ Durch eine große Bandbreite an Smart-Mobility-Anwendungen gegen die Wissenschaftler von weniger Fahrzeugen auf den Straßen, kürzeren Fahrtzeiten, geringeren Schadstoffemissionen und einem reduzierten Bedarf an Parkplätzen aus, wovon die städtische Gemeinschaft in hohem Maße profitieren wird. Jeffrey M. Hill vom US-Generalkonsulat in Frankfurt verwies darauf, dass „wir gelernt haben, dass nachhaltige Mobilität ständige Investitionen und die Modernisierung von Infrastruktur und Technologie erfordert.“ Er zeigte sich davon überzeugt, dass „die Wissenschaftler und Ingenieure des Ambient Mobility Lab in den kommenden 15 Jahren unsere Mobilität derart ändern werden, wie wir es uns heute noch nicht vorstellen können“.

eMover: Die Darstellung des Ambient Mobility Lab zeigt die Kriterien, die eine „Demand-Response“-Mobilität beeinflussen (Grafik: Ambient Mobility Lab, Jochen Verhasselt, IAO / Bus: Onidji - Fotolia.com)

Das Ambient Mobility Lab untersucht hierzu verschiedene Trends und wie diese durch die Entwicklung zukunftsorientierter, urbaner Mobilitätssysteme unsere Städte beeinflussen werden. Die Forschung ist dabei in folgende Schwerpunkte unterteilt:

Gemeinschaftlich genutzte Transportmöglichkeiten
Fortschritte bei Vernetzung und Fahrzeugbordtechnologie werden die urbane Mobilität revolutionieren. Die heutige Mobilitätslandschaft ist in private und öffentliche Beförderungsmöglichkeiten unterteilt – Kategorien, die sich zukünftig auflösen. Der Einsatz digitaler Steuersysteme wird Kombinationen mit sich bringen, die gemeinsam nutzbare Infrastrukturen entstehen lassen.

Neue Energie- und Mobilitätssysteme
Von den zahlreichen künftigen Möglichkeiten versprechen elektrische Systeme derzeit die besten Ergebnisse im Hinblick auf eine deutliche Senkung der Schadstoffemissionen von Fahrzeugen. Der breite Umstieg von Benzin- auf Elektroantrieb erfordert jedoch den Ausbau der Ladeinfrastruktur wie die Standortoptimierung der einzelnen Ladestationen, die Abdeckung des Fahrzeugenergiebedarfs mit dem bestehenden Energieversorgungsnetz oder die Analyse der Auswirkungen von Ladestrategien auf das Verhalten der Fahrer.

Future Urban Taxi: Die Entwicklung neuer Modelle für das Taxisystem der Zukunft (Grafik: Ambient Mobility Lab, Jochen Verhasselt, IAO)

Erste gemeinsame Pilotprojekte von IAO und MIT zur urbanen Mobilität befinden sich bereits in der Forschungsphase. „eMover“ befasst sich mit der Nutzung von intelligent verknüpften E-Minibusflotten als Ergänzung zu bestehenden Transportmitteln. Im Forschungsfeld „Physical Apps“ (Phapps) sollen gemeinsam genutzte Systeme wie beispielsweise Carsharing mittels smarter Komponenten und neuer Funktionen noch weiter individualisiert werden. Das Projekt „Future Urban Taxi“ sucht Antworten auf die Frage, wie Taxis in Zukunft aussehen werden. Und das Projekt „Urban Driven“ ermittelt, wie Fahrzeuge als Plattform konzipiert und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Städten angepasst werden können. Dieser Ansatz unterscheidet sich damit von den gängigen Entwicklungsprozessen der Automobilindustrie, in denen sich momentan noch die städtischen Infrastrukturen an die Fahrzeuge anpassen müssen.

HubCab: Ein innovatives und zukunftsfähiges Carsharing-System (Grafik: Ambient Mobility Lab, Jochen Verhasselt, IAO)

All diese Projekte sind innovative Einzelschritte, um nachhaltige und zukunftsfähige Mobilitätsformen zu entwickeln, die das Leben in den überfüllten Mega-Metropolen der Welt auch in einigen Jahrzehnten noch lebenswert machen.

Das Projekt wird mit 2,65 Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg gefördert.

Weitere Informationen zum Forschungsverbund Ambient Mobility Lab finden Sie hier

 

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