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Architektonischer Doppelgänger: FRAC Nord-Pas de Calais von Lacaton Vassal

Im nordfranzöischen Dunkerque (Dünkirchen) haben Lacaton & Vassal (Paris) ein ehemaliges Werftgebäude zu einem regionalen Zentrum für zeitgenössische Kunst umgebaut: das FRAC Nord-Pas de Calais. Die bestehende Halle bot ein dermaßen phantastisches Raumerlebnis, dass die Architekten sie als großes Raumkunstwerk und Architektur-Exponat einfach stehen ließen. Daneben errichteten sie einen architektonischen Doppelgänger als Neubau für die Kunst.

Foto: Philippe Ruault

Sie sind ein wichtiges Kulturinstrument regionaler städtebaulicher Entwicklung in Frankreich: die Regionalfonds für zeitgenössische Kunst FRAC Fonds Régionaux d'Art Contemporain. In den achtziger Jahren vom französischen Kultusminister Jack Lang ins Leben gerufen, treten sie vor allem bei der Umwidmung vormals anderweitig genutzter Anlagen und Bauten – zum Beispiel militärischer oder Industrieanlagen – zu regionalen Kunstzentren in Erscheinung: Erst in diesem Jahr wurde das FRAC Orléans eröffnet. Seit Herbst 2013 ist nun das FRAC Nord-Pas de Calais nach Plänen von Lacaton Vassal fertig gestellt. Hier werden öffentliche Sammlungen zeitgenössischer Kunst konserviert, archiviert und ausgestellt.

Foto: Philippe Ruault

Dunkerque, in Nordfrankreich zwischen der Hafengroßstadt Calais und der belgischen Grenze gelegen, ist vor allem bekannt wegen seiner strategisch günstigen Lage am Ärmelkanal und der „Schlacht von Dünkirchen“ im Zweiten Weltkrieg. Das FRAC Nord-Pas de Calais ist ein Konversionsprojekt, das dem Strukturwandel im Bereich der Industrie und der Hafenwirtschaft Rechnung trägt. Der Louvre Lens von SANAA gehört ebenfalls zu den Förderprojekten der Region Nord-Pas de Calais.
Das neue FRAC befindet sich auf dem Hafengelände in Dunkerque in einem alten Bootshaus mit dem Namen Halle AP2, den die Architekten als „einzigartiges und symbolisches Objekt“ identifizierten. Tatsächlich erwartet den Besucher hier ein gigantischer und lichtdurchfluteter Innenraum, der sich für unterschiedliche Nutzungen anbietet, die über das für das FRAC geforderte Raumprogramm hinausweisen.

Foto: Philippe Ruault

Lacaton & Vassal stehen für eine Entwurfshaltung, die mit minimalem Aufwand die Qualitäten bestehender oder gar „veraltet“ scheinender Bauwerke neu zur Geltung bringt und dabei fast beiläufig in Standards des 21. Jahrhunderts versetzt. Beim FRAC Nord-Pas de Calais variierten sie diese Strategie: Einerseits verstehen sie das Museum als städtebaulichen Katalysator, um hier eine kulturelle Quartiersentwicklung anzuschieben, gleichzeitig sollte die Halle AP2 als Ganzes mit ihrer einzigartigen Raumqualität erhalten bleiben. Die Architekten bedienten sich daher eines Kunstgriffs: Sie bauten einen volumetrisch identischen Zwilling der Halle AP2 an einer Längsseite – der zur Nordsee ausgerichteten Seite – an.

Foto: Philippe Ruault

In der neuen Halle können die FRAC-Besucher nun geschützt von einer leichten, transparenten Klimahülle auf unterschiedlichen Ebenen die Kunstwerke betrachten. Die Konstruktion besteht aus Fertigteilen und erlaubt eine flexible und freie Grundrissgestaltung. Eine Fußgängerbrücke verbindet beide Bauteile als überdachte Straße entlang der „Innenfassade“ des FRAC. Die alte Halle AP2 dient als Ergänzung der Ausstellungsräume zum Beispiel für große temporäre Ausstellungen, zur Präsentation großformatiger Kunstwerke oder für öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte, Messen, Sport-, Theater- oder auch Zirkusaufführungen. Beide Gebäude können sowohl getrennt als auch gemeinsam bespielt werden. Dadurch eröffnet das FRAC Nord-Pas de Calais Stadt und Region Möglichkeiten, die über die eines regionalen Kulturzentrums hinausweisen.

(Cordula Vielhauer)

Foto: Philippe Ruault
Foto: Philippe Ruault
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