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Architektur mit Energie - Prämierte Architektur 2011

Preisverleihung des BMWi-Wettbewerbs "Architektur mit Energie"

Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, hat vor wenigen Tagen die Auszeichnungen im BMWi-Wettbewerb "Architektur mit Energie" übergeben. In einer feierlichen Preisverleihung überreichte er den Planungsteams der sechs prämierten Bauvorhaben den BMWi-Preis 2011. Der Wettbewerb prämiert richtungsweisende Gebäude der Zukunft.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hatte den Wettbewerb "Architektur mit Energie" im Januar 2011 auf der internationalen Fachmesse BAU 2011 in München ausgelobt. Der Wettbewerb prämiert ambitionierte Bauvorhaben, die energieeffiziente Gebäudekonzepte und innovative Technologien mit hochwertiger Architektur verbinden und als richtungsweisend für Gebäude der Zukunft gelten können. Für den BMWi-Preis "Architektur mit Energie" waren konkrete Projekte mit richtungsweisenden Gebäudekonzepten gefragt. Sie sollen gestalterisch, konzeptionell und technologisch überzeugende Antworten auf die gestellten Herausforderungen liefern. Sowohl Neubauten als auch Sanierungen von Bestandsgebäuden und Projekte mit einer Kombination aus Sanierung und Neubau konnten dabei von Architekten, Fachplaner, Bauherren oder Arbeitsgemeinschaften eingereicht werden. Eine hochrangig besetzte Fachjury wählte aus 35 eingereichten Projektbeiträgen sechs Preisträger aus, die den BMWi-Preis 2011 als symbolische Bauplakette und das Preisgeld in Höhe von insgesamt 120.000 € erhalten. Zudem bekommen die ausgezeichneten Vorhaben die Möglichkeit, in der weiteren Realisierung und Inbetriebnahme als Modellprojekte im Rahmen der vom BMWi getragenen Forschungsinitiative EnOB - Energieoptimiertes Bauen gefördert zu werden.

Preisträger

Deutsche Schule MadridArchitekten: Grüntuch Ernst Planungs GmbH; Bauherr: Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das BMVBS, vertreten durch das BBR

Jurystatement: Städtebaulich und auch im konzeptionellen Entwurfsansatz überzeugt dieses Projekt durch seinen intelligenten Umgang mit der Aufgabenstellung und der kontextuellen Antwort. Schule als ein besonderer Ort mit Vorbildcharakter für die Bildung, der auch baulich für eine hohe Identifikation sorgen wird. Auf die besonderen klimatischen Bedingungen in Zentralspanien antwortet sowohl die Architektur als auch der vielfältig konzipierte Freiraum in besonderem Maße. Energetische Konzeptionen und Architektur werden konzeptimmanent zusammengeführt und bereichern selbstverständlich die neue Schulanlage. Eine gute Adresse für deutsche Baukultur und Energieeffizienz Made in Germany. Der sommerheiße Standort Madrid prägt das Energiekonzept des Gebäudes. Aufständerung des Gebäudes, überdachte Außenräume und Rücksprünge in der Fassade mindern die sommerliche Wärmelast und steigern in Verbindung mit großen Speichermassen die Aufenthaltsqualität. Ein angemessener Dämmstandard und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung versprechen niedrige Heiz- und Kühllasten und eine für die hohe Belegungsdichte einer Schule gute Luftqualität. Die groß dimensionierten Luft-Erdregister sorgen je nach Jahreszeit für Vorwärmung bzw. Vorkühlung der Luft. Durch indirekte Verdunstungskühlung wird umweltfreundlich Kälte zur Zuluftkühlung bereitgestellt. Sonderräume werden durch die Abwärme eines Erdgas-BHKWs über eine Absorptionskältemaschine gekühlt. Die winterliche Abwärme des BHKWs deckt die Grundheizlast. Eine Solarstromanlage mit Dünnschichtzellen auf dem Dach reduziert den Peakstrombedarf des Gebäudes und speist ins Netz ein, so dass in Verbindung mit dem BHKW in der Jahresbilanz ein 39%iger Ausgleich des Primärenergiebedarfs erreicht wird. Es ist zu hoffen, dass die detaillierte Durcharbeitung die Konzeptqualität beibehält und auch die Herstellungsenergie in den Kontext der Betrachtung einbezieht

Elbarkaden, Elbtorquartier HafenCity HamburgArchitekten: Bob Gysin + Partner BGP Architekten, Zürich; Bauherr: GOD Green Office Development, Greenpeace e.V.;

Jurystatement: Im Rahmen des prägnanten städtebaulichen Kontextes wird das großmaßstäbliche Gebäudeensemble geschickt integriert. Die bauplastisch ausgeprägte Differenzierung in einen großzügigen Sockel in Form eines Stadtbalkons und der darauf aufsitzenden mäandrierenden Bebauung, passen sich in Ausdruck und Wirkung auch mit der Materialwahl Ziegel, wohltuend und doch bestimmt in die prägnante Umgebungsbebauung ein. Die hohe äußere Gestaltqualität wird konsequent räumlich wirksam im Inneren fortgesetzt. Binnenräume von hoher Aufenthaltsqualität und gut geschnittenen Wohnungen bieten eine optimale Plattform für die angebotenen energetischen Konzepte der Bauanlage. Der kompakte Baukörper soll aus weitestgehend vorgefertigten Bauteilen mit Passivhausqualität sowohl im Wohn- als auch im Bürobereich erstellt werden. Die baukonstruktiv vorhandene Speichermaße wird durch intensive Nachlüftung zur Verbesserung des sommerlichen Raumklimas herangezogen. Serverräume und Spezialnutzungen werden durch Erdsondensysteme gekühlt. Bei Heizbedarf im Gebäude wird die Abwärme prioritär zur Deckung genutzt. Die Lüftung mit Wärmerückgewinnung erlaubt die Vorkühlung und Vorerwärmung der Zuluft über das Erdsondenfeld. Neben dem Anschluss an die umweltfreundliche Fernwärme werden für Teilbereiche alternative Lösungen untersucht, die noch günstigere Ergebnisse erwarten lassen (Erdsonden Wärmepumpe, Biogas BHKW). Bei hoher elektrischer Energieeffizienz sollen Solarstromanlagen und Windräder auf dem Dach den gebäudetechnischen Primärenergiebedarf in der Jahressumme zu 23% decken. Der energetische Beitrag der Windräder wird im Zusammenhang mit der Beeinträchtigung der architektonischen Form und dem konstruktiven Aufwand nicht als angemessen eingestuft. Bereits in der Planungsphase wird ein 2-jähriges Monitoring als integraler Bestandteil der Bauaufgabe betrachtet.

Umnutzung Heizwerk, ErfurtArchitekten: hks Architekten + Gesamtplaner; Bauherr: LEG Thüringen, Frank Krätzschmar

Jurystatement: Weiterbauen und Neunutzung im Bestand unter Wahrung der substanziellen Gebäudestruktur ist die überzeugende Botschaft dieses Entwurfskonzepts. Das eindrucksvolle und weiträumige Industriedenkmal wird für neue zukunftsweisende Nutzungen reaktiviert und genutzt. Dies wird raumbildend, ökonomisch und nutzungsspezifisch durch den intelligenten Einbau von neuen Baukörpervolumina, die ebenfalls selbst eine hohe architektonische Qualität besitzen, erreicht. Im Zusammenspiel zwischen dem neuen Haus im Haus und der besonderen Bestandsarchitektur entsteht ein spannender räumlicher Dialog. Durch das Haus-in-Haus-Konzept mit drei unterschiedlich temperierten Zonen gelingt die Synergie von Denkmalschutz und den hohen Wettbewerbsanforderungen an die Energieeffizienz. Dabei muss es Ziel der weiteren Bearbeitung sein, ein optimales Verhältnis der Dämmqualitäten in Außenhülle und inneren Trennwänden zu erzielen. Durch die großen Volumina und hohen Verglasungsanteile ist trotz Haus-in-Haus-Konzept eine gute Tageslichtnutzung zu erwarten. Das Gebäude wird mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt, die über eine Absorptionswärmepumpe zum Heizen und Kühlen genutzt wird. Eine Solarthermieanlage speist ebenfalls die Absorptionswärmepumpe. Die Lüftung mit Wärmerückgewinnung erlaubt in Verbindung mit indirekter Verdunstungskühlung und direkter Grundwassernutzung die sommerliche Raumluftkühlung. Eine Erweiterung der Anlagen zur solaren Kühlung wird überprüft. Die Solarstromanlage auf dem Dach deckt in der Jahressumme etwa 65% des Strombedarfs des Gebäudes. Im Zuge der Ausarbeitung sollte im Bereich der Kälteversorgung eine klare Fokussierung stattfinden.

Studentenwohnheim Ostersiepen, WuppertalArchitekten: Architektur Contor Müller Schlüter; Bauherr: Hochschul-Sozialwerk Wuppertal A.ö.R.

Jurystatement: Die kompakten Baukörpervolumina sind städtebaulich gut in das bewegte bauliche Umfeld integriert. Flexible und gut nutzbare Grundrisse ermöglichen unterschiedlichste Wohnformen und sind ein lobenswerter Beitrag für die Anpassung eines Geschosswohnungsbaus an die gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen im Wohnbau. Das reduzierte Detail und der Einsatz nachhaltiger Baustoffe sind ebenfalls hervorgehoben. Mit einer Hybridkonstruktion aus Stahlbetontragwerk und vorgefertigter, vorgehängter Holztafelbauweise wird Passivhausqualität erreicht. Hierdurch wird eine kosteneffiziente Bauweise ermöglicht und gleichzeitig die notwendige thermische Speichermasse vorgehalten. Die Fensterflächenanteile reagieren klar auf die verschiedenen Himmelsrichtungen. Das Passivhaus erfordert eine zentrale Lüftungsanlage, Überströmöffnungen reduzieren die zu befördernde Luftmengen maßgeblich. Geplant ist ein Biogas BHKW, das die umliegenden Liegenschaften mitversorgen soll. Die Einbindung in das bestehende Netz der Fernwärme aus Kraftwärmekopplung ist im Kontext einer ganzheitlichen Betrachtung zu optimieren. Im weiteren Planungsprozess ist diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Der Gutschrift für den erzeugten Strom soll in der Jahressumme etwa 39% des Primärenergiebedarfs der gebäudetechnischen Anlagen ausgleichen. Der Abgleich des Gesamtressourceneinsatzes über den gesamten Lebenszyklus zeichnet das Projekt in seiner Ganzheitlichkeit aus.

Anerkennung: Erweiterung Peter Backwaren, Essen
Architekten: RMA | Architekten GmbH & Co. KG; Bauherr: Peter Backwaren OHG

Anerkennung: Kindertageseinrichtung Brünselstraße, Bochum
Architekten: Banz + Riecks Dipl-Ing. Architekten BDA, Bochum; Bauherr: Stadt Bochum, Jugendamt

Lobende Erwähnung: Smart Material Houses, Hamburg
Architekten: zillerplus Architekten und Stadtplaner; Bauherr: IBA Hamburg GmbH

Lobende Erwähnung: Plusenergie-Kinderhaus Höhenkirchen-Siegertsbrunn Architekten: Asböck Architekten (ARGE IBH-AA), IB Hauser (ARGE IBH-AA); Bauherr: Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Preisträger Studenten

Tilting Shell, Kontorhaus Holzbrücke, Hamburg
Entwurfsverfasser: Inga Sörensen, Leibniz Universität Hannover

Jurystatement: Im Rahmen der energetischen Sanierung eines bestehenden Verwaltungsgebäudes in Hamburg wurde untersucht, in welcher Form sich Effizienzsteigerung und Fragen der Nutzung von Umweltenergien in gestalterisch überzeugender Weise in Einklang bringen lassen. Eine hochwertig gedämmte Hülle wird in Form einer polyvalenten Doppelfassade hergestellt. Fassadenintegrierte Photovoltaik, sowie auf die Orientierung des Gebäudes abgestimmte Sonnen- und Schallschutzelemente reagieren auf die lokalen Verhältnisse und die Anforderungen des Nutzerkomforts. Die Arbeit überzeugt durch den hohen Durcharbeitungsgrad, der energetischen Analyse und der konstruktiven Umsetzung, wobei der Aspekt der Tageslichtnutzung leider wenig berücksichtigt blieb. Neben dem funktional und energetisch anspruchsvollen Umgang mit dem Gebäudebestand, nutzt die Bearbeiterin die Chance aus der gezielten Nutzung von Umweltenergien heraus die gestalterische Qualität des Gebäudes zu entwickeln. Abgerundet wird das Gebäudetechnikkonzept durch eine integrierte Wasseraufbereitungsanlage und der hierdurch ermöglichten Regenwassernutzung sowie durch die Energiebereitstellung mittels Fernwärme in Kombination mit einer Absorptionskältemaschine.

E+ Solar-Wohnen in der Stadt, Bremen Entwurfsverfasser: Reza Rohifard, Franz Veeser; Hochschule Bremen

Jurystatement: Drei Hausgruppen sind jeweils um einen zentralen Innenhof angeordnet und bieten in 2 bis 3-geschossigen Gebäuden Wohnraum für verschiedene Familientypen. Zentrale Merkmale dieser Arbeit stellen die gezielte solare Nutzung im Bereich der transparenten Fassaden sowie der Integration von PV im Dach und Fassadenbereich dar. Die Planung wird ergänzt durch hervorragend gedämmte Außenbauteile, eine gezielte Zuluftführung über Erdwärmetauscher und die Wärmeerzeugung durch eine Pelletheizung mit Brennwerttechnik und zentralem Pufferspeicher. Das Konzept überzeugt durch seinen integralen Ansatz hinsichtlich seiner funktionalen, gestalterischen und energetischen Aspekte. In städtebaulicher Hinsicht zeigt das Projekt das Potenzial auf, energiepositive Wohngebäude auf der Basis von mittleren Dichten im städtischen Kontext zu realisieren. Es überzeugt auch durch seinen professionellen Durcharbeitungsgrad und die überzeugende Darstellung seiner Teilaspekte, wie Energiekonzept und architektonischer Ausdruck.

Anerkennung: Sanierung Roncalli Kolleg, München
Entwurfsverfasser: K. Floros, S. Lindner, E. Magdziarz; Hochschule München

Lobende Erwähnung: Kunst- und Musikschule, Wuppertal-Elberfeld Entwurfsverfasser: Katja Müller, Zohra Amirsad, Bettina Koch, Carolin Künz; Bergische Universität Wuppertal

Forschungsinitiative EnOB

Der Wettbewerb wird im Rahmen der Forschungsinitiative EnOB Energieoptimiertes Bauen organisiert. In den Forschungsprojekten geht es um Gebäude mit minimalem Primärenergiebedarf und hohem Nutzerkomfort und das bei moderaten Investitions- und deutlich reduzierten Betriebskosten. Zugleich wird in verschiedenen Forschungsteams an Konzepten für Nullenergiegebäude gearbeitet. Weil in der Gebäudesubstanz das größte Energieeinsparpotenzial steckt, gibt es einen Forschungsakzent zur energetischen Sanierung. Daneben werden intensiv neue Materialien, Technologien und Systeme für die Bautechnik und die technische Gebäudeausrüstung entwickelt und unter realen Bedingungen getestet.

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