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Rom, MAXXI, Michele De Lucchi, Ausstellung, Hi-Macs, Mineralwerkstoff

Architekturinstallation von Michele De Lucchi bereichert das MAXXI in Rom

Zaha Hadids Vermächtnis an die Stadt Rom, jener skulpturale Gebäudekomplex im Flaminio-Viertel, beherbergt seit einem knappen Jahrzehnt die Stiftung MAXXI Nationales Museum der Künste des XXI. Jahrhunderts samt der beiden Museen für zeitgenössische Kunst und Architektur. Ähnlich passend integriert, wie das Museumsgebäude in den urbanen Raum, fügt sich eine Architekturinstallation von Michele De Lucchi derzeit in die Ausstellung. Diese ist noch wenige Tage vor Ort, oder hier in Bildern zu betrachten.

Raum-in-Raum Installation
Michele De Lucchi schuf für das MAXXI eine zu zwei Seiten offene, begehbare Konstruktion, die einen Ring darstellen soll. Den schmalen Korridor, durch den man schreiten kann, säumt eine Metallstruktur, die wiederum mehr als 800 weiße Schindeln bekleiden. Durch die Lücken zwischen den Schindeln dringt Licht, das von LED-Bändern im nach oben spitz zulaufenden Tunnel stammt. Dadurch erhält der Raum-im-Raum eine besondere Inszenierung: Innen dienen die Schindeln als Reflektoren und erhellen den Durchgang, nach außen dringen Lichtstreifendurch die offenen Fugen und bilden sich am Boden rund um die Installation ab. In der Mitte der Ringstruktur entsteht abermals ein Raum, der nicht nur aufgrund lose platzierter, sanduhrförmiger Hocker aus Holz zum Verweilen einlädt. Spätestens hier erschließt sich der übertragende Ansatz zwischen Form und Material, zwischen Architektur und Natur. Die Schindeln suggerieren das natürliche Ursprungsmaterial Holz, sind jedoch aus dem Verbundwerkstoff Hi-Macs gefertigt, einem Solid-Surface-Material des Schweizer Herstellers LG Hausys, das als Fassadenbekleidung oder im Innenausbau Verwendung findet. Die Farbwahl Alpine White sowie die dichte, porenfreie Oberfläche deuten ihrerseits auf ein Material der zeitgenössischen Architektur, während die Form der Verkleidungselemente, samt den steil geneigten Wänden, an denen sie anliegen, eine urtümliche Bauweise suggerieren.

»Eine Atmosphäre innerhalb einer anderen Atmosphäre«
Einen deutlichen Hinweis auf die Intention hinter seiner Arbeit gibt Michele De Lucchi selbst. Sein Werk nannte er »L’anello mancante« (Das fehlende Glied). Er erklärt dazu: »Ein fehlendes Glied ist das Element, das die Enden einer gebrochenen, nun offenen Kette schließt. Heutzutage benötigen wir immer mehr solche Glieder, die die vielfältigen Verästelungen der sozialen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sogar moralischen Beziehungen miteinander verbinden.« Des Weiteren schreibt De Lucchi in einem Begleitheft zur Ausstellung: »L’anello mancante ist ein Objekt innerhalb des Objektcontainers MAXXI, das eine Atmosphäre innerhalb einer anderen Atmosphäre schafft. Als ich den Ausstellungsraum sah, entschloss ich mich eine Installation zu schaffen, die diesen Raum vollständig ausfüllt und darin eine völlig andere Emotionalität schafft. Von außen hat sie die Erhabenheit eines Monuments und die Form eines offenen Rings, der den Verlauf menschlicher Denkweisenentspricht. Sie repräsentiert einem Gedankengang, der von einer Idee ausgeht und entlang der Argumente wandert, die es zur Unterstützung der These braucht. Diese ist immer nah dran, aber entspricht nie so ganz dem Ursprung. Deshalb befinden sich Eingang und Ausgang der gebauten Passage nah beieinander, sie fallen jedoch nicht zusammen.«

Eine gesellschaftliche Relevanz für seine Arbeit strebte De Lucchi als Mitbegründer der Memphis Group bereits früh an. Zahlreiche Klassiker des Industrie- und Möbeldesigns, darunter die berühmte Leuchte Tolomeo von Artemide, und architektonische Werke weltweit füllen die Schaffensliste des Schülers und Wegbegleiters von Ettore Sottsass. Nun selbst Professor für Design am Polytechnikum Mailand, gibt De Lucchi seinen Erfahrungsschatz an junge Studenten weiter. Eine außergewöhnliche Lehreinheit bildet auch die begleitende Skizzensammlung, die neben dem überdimensionalen Ring im MAXXI ausgestellt ist. Der Zeichenstift ist ein ständiger Begleiter von Michele de Lucchi. So liegt es nahe, dass auch zu diesem Objekt eine Vielzahl an Prototypen und Entwürfen existiert. In zahlreichen Darstellungen ist der Entstehungsprozess seines Werkes dokumentiert. Immer nah an der Ursprungsidee, wenn auch nicht ganz mit dem Ergebnis übereinstimmend.

Die Installation »L’anello mancante«, die von Margherita Guccione und Pippo Ciorra kuratiert wurde, ist noch bis zum 3. März in der Sala Claudia Gian Ferrari ausgestellt. Danach wird sie Teil der Kollektion MAXXI Architettura.

www.maxxi.art
www.amdl.it
www.himacs.eu

 

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