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Architekturstudenten bauen Handwerksschule in Nairobi

»Design Build« nennt man einen Bauprozess, bei dem Planung und Ausführung in einer Hand liegen. Hermann Kaufmann praktiziert »Design Build« an seinem Lehrstuhl für Holzbau und Entwerfen an der TU München seit 2007 als Lehrkonzept. Studierende aus Deutschland realisieren gemeinsam mit lokalen Arbeitern Sozialbauten in Afrika. Das Ergebnis schafft eine Win-Win Situation: Die angehenden Architekten erweitern ihre Kenntnisse in der Praxis, die Bevölkerung vor Ort profitiert durch Einrichtungen, die durch ihre einfache handwerkliche reproduzierbare Konstruktionen zur Nachahmung anregen. Internationale Aufmerksamkeit erhielt vor allem die Handwerksschule Nairobi. Im Zeitraffer zeigt das Video, wie Studierende der TU München und der Hochschule Augsburg im März 2012 die Dachkonstruktion aus Bambusträgern und Blechdeckungen errichten.

Architekten: Fachgebiet Holz, TU München; Hermann Kaufmann mit Studierenden der TU München, der HS Augsburg und der JKUAT Nairobi
Mitarbeiter: Susanne Gampfer, Stefan Krötsch (Projektleiter)
Standort: Bei Kangundo Road, EAK–Malaa (nahe Nairobi)

Blick auf die Hauptfassade der Handwerkschule im Slum Mathare im Norden von Nairobi
Foto: Matthias Kestel

Der Komplex besteht aus vier Gebäuden, die verschiedene Freibereiche definieren. Die Fassaden aus massivem Natursteinmauerwerk entsprechen den lokalen Bautraditionen, während die Verwendung des schnell wachsenden, einheimischen Bambus eine in Kenia noch unübliche ökologische Alternative zu Holz oder Metall ­darstellt.

Projektgruppen in München und Nairobi testeten den Baustoff zunächst auf Leistungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeiten und entwickelten die Konstruktion des Dachtragwerks. In Kenia begannen lokale Arbeiter vorab mit der Errichtung der Fundamente. Die erste Gruppe deutscher und kenianischer Studenten erstellte im Anschluss zusammen mit einheimischen Arbeitern die Steinmetz- und Mauerarbeiten des Rohbaus. Die zweite Gruppe führte dann die Beton- und Bambusarbeiten der Dachkonstruktion aus.

Eine wegen anhaltender Regenfälle in den Aberdare-Bergen verspätete Bambuslieferung erschwerte und verzögerte zunächst den Bauprozess. Das Material wurde dann aber bis zum letzten Halm genutzt: Aus minderwertigen Rohren entstanden Baugerüste, Arbeitsböcke, Baustellentüren und Toilettenwände; Reststücke verkleiden, in dünnes Flechtwerk gespalten, Tür- und Fensterläden. Auf dem unerschlossenen Grundstück versorgt mittlerweile eine Photovoltaikanlage den Komplex mit Strom. Regenwassernutzung, Trockentoiletten und biologische Kläranlagen stellen ein weiteres Novum in der Region dar.

Der nachfolgende Film zeigt die verschiedenen Bauphasen des Gebäudes im Zeitraffer:

Eine der ersten Lektionen für die deutschen Studenten bestand darin, improvisieren zu lernen. Ob verspätete Lieferungen des örtlichen Baumarkts oder Türen falscher Größe: Sie mussten spontan Alternativen finden. Ein gewisser Druck entstand durch die nahende Regenzeit, die vor allem die Fertigstellung der Dächer zeitlich begrenzte. Beim Rohbau standen den Studenten einheimische Bauarbeiter zur Seite, die Steine in die gewünschte Form klopften, mauerten und verputzten. Die Ringanker betonierten die Studenten selbst in hölzernen Schalungen. Die wenigen verfügbaren Bretter verwendeten sie, bis sie nicht mehr zu gebrauchen waren.

Materialien der Handwerkschule im Slum Mathare im Norden von Nairobi
Foto: Matthias Kestel

Bauherr: Promoting Africa , Youth Support Kenya
Architekten: Fachgebiet Holz, TUM, Univ. Prof. Hermann Kaufmann mit Studenten der TUM, HS Augsburg und der JKUAT Nairobi
Projektleitung: Susanne Gampfer, Stefan Krötsch
Assistenz Bauleitung: Matthias Kestel, Christoph Perl
Studentische Entwurfsgruppe: Thomas Horejschi, Felix Haberstumpf, Hannes Hofmann, Ulrike Kiesel, Serafina Eipert, Valentin Popp, Maximilian Langwieder
Baugesuch Kenia: Martin Mbindhi

Tragwerksplaner Bambuskonstruktion: Hannes Hofmann, Stefan Krötsch,
Thomas Horejschi, Susanne Gampfer
Berater Bambusverbindungen: Andry Widyowijatnoko, RWTH Aachen
Tragwerksplaner Mauerwerk, Stahlbeton: Stefan Krötsch
Berater Mauerwerk, Stahlbeton: Ingenieurbüro Kaspar und Teuteberg;
Edwin Murgor, JKUAT

Mitwirkende Studenten:
1. Bauphase (Studenten der TUM): Linus Dreier, Matthias Eckert, Serafina Eipert, Viktoria Geywitz, Ulrike Kiesel, Felix Haberstumpf, Hannes Hofmann, Tom Horejschi, Theresa Ludwig, Dominik Oberprieler, Valentin Popp, Irina Rubinstein, Cornelia Schweiss, Wolfgang Stache, Michael Streidl, Theresia Brandl, Florian Kubarsik, Markus Kaularz, Karin Rauch, Melchior Anna Anjesa
2. Bauphase (Studenten der TUM): Leonhard Strübin, Magdalena Vondung, Veronika Karl, Maximiliane Wölfl, Sarah Kulmann, Marlene Witry, Laura Strähle, Katarina Humpel, Babara Trojer, Maximilian Peter, Dominik Oberprieler, Moritz Rieke, Max Hahner, Karin Rauch Hannah Knoop, Cornelia Schweiss
(Studenten der Hochschule Augsburg): Anna Pechtl, Carina Michler, Michael Mair, Benjamin Bauer, Florian Möckel, Christoph Janitzky, Franz Zech, Robert Lang, Jörg Krottenmüller

Film von Max Hahner und Maximilian Peter

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 2013/12 zum Thema »Planen und Bauen als Prozess«.

Weitere Projekte zum Thema "Design Build" finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 2014/12 zum Thema "Einfach Bauen".

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 12/2014

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