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Wohnungsfrage, Urban Forest, Atelier Bow Wow, Jens Liebchen

Ausstellung Wohnungsfrage: Vier Wohnmodelle

Im Zentrum der Ausstellung „Wohnungsfrage“ stehen vier 1:1-Wohnmodelle, die in einem partizipatorischen Prozess gemeinsam von lokalen Nutzergruppen mit internationalen Architekturbüros entwickelt wurden. Dabei bildet jedes dieser spezifischen Modelle lediglich einen Ausschnitt aus einer größeren Struktur ab: Das reicht vom Raumzwilling aus Miete und Privatbesitz im kollektiven Wohnregal (Assemble, London, + Senioreninitiative Stille Straße 10, Berlin) über den Arbeits-Wohn-Hybrid in der gemeinsamen Künstlervilla (Dogma, Brüssel, + Realism Working Group, Frankfurt/Main) bis zur organisch wachsenden Zellstruktur eines studentischen Gemeinschaftsbaumhauses (Atelier Bow-Wow, Tokio, + Studentengruppe Kolabs, Berlin). Kuratorinnen und Kuratoren der Ausstellung sind Jesko Fezer, Nikolaus Hirsch, Wilfried Kuehn und Hila Peleg. Eine zwölfbändige Publikationsreihe konstituiert den theoretischen und wissenschaftlichen Hintergrund der Ausstellung sowie einer darauf aufbauenden mehrtägigen Akademie.


Die Londoner Gruppe Assemble entwarf mit der Senioreninitiative Stille Straße 10 (Berlin) ein Gebäude, das privates Eigentum mit gemietetem Raum sowie kollektiv genutzter Infrastruktur kombiniert: die „Teilwohnung“. Während im Erdgeschoss eine Tischlerwerkstatt und Gemeinschaftsräume angesiedelt werden, sind in den Obergeschossen private Wohnungen geplant. Ihnen ist ein anmietbarer Raum von gleicher Dimension beigestellt. Er kann von den Bewohnern privat genutzt oder an die Initiative zurückgegeben werden. So reagiert die Struktur flexibel auf sich verändernde Lebenssituationen wie Familienzuwachs oder Auszug. In der Ausstellung ist neben einem Modell des gesamten Gebäudes ein begehbarer Ausschnitt des Doppelraums „Privatwohnung – optionaler Raum“ aufgebaut.

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Nach dem Briefing der am Frankfurter Städel entstandenen Künstlergruppe Realism Working Group entwickelte das Architekturbüro Dogma (Brüssel) einen Wohntyp, der einer engen Verschränkung von Arbeiten und Leben Raum gibt, wie sie Künstlerinnen und Künstler leben. Während ein doppelgeschossiges Atelier mit langer Werkbank geistige wie körperliche Arbeit gleichermaßen ermöglicht, beherbergt eine „bewohnte Wand“ als Träger von Schlafebene, Badezimmer und Stauraum auf zwei Niveaus die regenerativen Tätigkeiten des Lebens. Eingebettet sind die Zellen in den Rahmen einer kollektiv genutzten „Communal Villa“ mit gemeinsamem Wohnraum.



Auf die Verdrängung günstigen Wohnraums in Berlin reagiert die Studenteninitiative „Kolabs“. Im Bewusstsein ihrer Doppelrolle, während des Studiums auf günstigen Wohnraum angewiesen zu sein und gleichzeitig zur Gentrifizierung beizutragen, suchten sie gemeinsam mit dem Tokioter Büro Atelier Bow-Wow nach einer Lösung für studentisches Gemeinschaftswohnen, das den besonderen Bedingungen während dieser Bildungsphase Rechnung trägt. Unter dem Namen „Urban Forest“ entwarfen Atelier Bow-Wow dazu eine halboffene Struktur, um dessen zentralen zweigeschossigen Wohn- und Essraum sich Räume für teilbare Nutzungen wie werken oder waschen gruppieren. Minimierte Schlafkojen liegen auf einer höheren Ebene und werden über Leitern, Podeste und Stufen in Analogie zu Zweigen eines Baumes erschlossen.



Die Mietergemeinschaft „Kotti & Co“ gründete sich als Reaktion auf steigende Mieten im sozialen Wohnungsbau rund um das Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Ihr „Gecekondu“ (türkisch für „über Nacht gebaut“) genannter Protest-Pavillon dient auch als Nachbarschaftstreffpunkt. Das Estudio Teddy Cruz + Forman (San Diego) forscht zu informellen Baupraktiken im grenzübergreifenden Ballungsraum von Tijuana und San Diego. Im Austausch wurde eine Stahlkonstruktion als „Retrofit-Gecekondu“ aus Standardelementen für Hochregallager entwickelt, die von der Wohnraumerweiterung über die Werkstatt bis zum Versammlungsraum flexibel eingesetzt werden kann.

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