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Berlin Hauptbahnhof - Lehrter Bahnhof (2006)

Anlässlich der Ausstellung »High Energy. Ingenieur-Bau-Kultur« erscheint auf unserer Homepage ein Rückblick auf ausgewählte Projekte aus dem Büro Schlaich Bergermann und Partner, die in DETAIL dokumentiert wurden.

Architekten: gmp von Gerkan Marg und Partner, Hamburg/Berlin
Tragwerksplaner: Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart

Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner

Am 28. Mai 2006 wurde nach über zehn Jahren Bauzeit Europas größter Bahnhof für den Fern-, Regional- und Nahverkehr eröffnet.

Das zentrale Entwurfsprinzip des Lehrter Bahnhofs liegt darin, die Besonderheit der Kreuzung zweier – teilweise unterirdischer – Bahntrassen als neuen Gebäudetyp im Stadtraum sichtbar zu machen. Großzügige Glashallen und die Durchflutung mit Tageslicht, das durch weite Öffnungen bis auf die unterirdischen Bahnsteige dringt, schaffen eine Atmosphäre, die sich bewusst vom »Schmuddelniveau« vieler Bahnhofsviertel absetzt. So sind die Untersichten der zwei untersten Geschossdecken von gmp als Kreuzgewölbe realisiert, um gerade hier qualitativ hochwertige Räume zu schaffen. Notwendige, aber nicht repräsentative Nebennutzungen werden in einem fünf Meter hohen Sockelbau verborgen.

Die ostwestgerichtete 321 m lange Bahnsteighalle ist mit einem filigranen Glasdach mit 8450 verschieden großen Glasscheiben überspannt. Sie durchschneidet zwei 46 Meter hohe Gebäudescheiben, die in ihrer Lage und Ausrichtung die unterirdisch gelegenen Nord-Süd-Bahnsteige des Bahnhofs im Stadtraum abbilden.

Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner
Schnitt Ost-West-Dach

Zwischen diesen Bügelbauten mit insgesamt 50000 m2 Brutto-Geschossfläche befindet sich die 43 m breite und 159 m lange Bahnhofshalle. Mit ihrem großzügigen Luftraum und drei Geschossen mit Läden und Restaurants zwischen den Fernbahnebenen dient sie auch als Geschäftszentrum für das gesamte Stadtquartier.

Die Torgeste der Eingangsfassaden nach Süden zum nahen Regierungsviertel und im Norden zum Stadtquartier Moabit hin verbindet beide Stadtteile und unterstreicht den Charakter eines öffentlichen Gebäudes. Überdeckt wird die Nord-Süd-Halle von einer filigranen Glastonne. Der Schnittpunkt der Fernbahnlinien wird durch die Verschneidung beider sich kreuzender Glashallen zu einer Vierung betont, ganz im Sinne einer »Kathedrale der Mobilität«.

Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner
Gitterschale mit unterem Randträger, Auflager auf Stadtbahnbrücke
Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner
Knoten Unterspannung
Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner
( Fotos: Frank Kaltenbach, München)
 

Jörg Schlaich und Jochen Gugeler, Schlaich Bergermann und Partner:
»Die leichten Gitterschalen, die mit Seilen oder Seilnetzen ausgesteift sind, wurden von uns entwickelt und schon mehrmals realisiert. Mit ihnen gelingen fast beliebig geformte Schalen von äußerster Transparenz, weil sie direkt verglast werden, also Tragstruktur und Sprossen dasselbe sind. Beim Lehrter Bahnhof haben wir zudem die Gitterstruktur als so genannte gestreckte Translationsfläche geformt – dank derer trotz in Spannweiten und Grundrisskrümmung ständig variierender Geometrie alle Glasscheiben eben, allerdings auch die Stäbe nicht gleich lang sind.«

Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner
Knoten Hauptbinder

»Die Weiterentwicklung gegenüber den klassischen Bahnhofshallen besteht darin, dass wir erstens alle sechs Gleise in einem Schwung überspannen, zweitens statt der früher steil aufragenden Parabelbögen für die Dampfzüge einen flachen Korbbogen wählten, diesen mit einer Seilverspannung stabilisierten und drittens zwischen diesen Bögen im Abstand von etwa 13 Metern anstelle der üblichen Pfetten und Sprossen transparente Gitterschalen einsetzten.

Bereits beim Gutachter-Wettbewerb waren wir am Entwurf beteiligt, wie es das Merkmal einer guten Zusammenarbeit von Architekt und Ingenieur ist, bei der man davon ausgeht, dass Funktion, Konstruktion und Form eine Einheit bilden. Wenn ein Architekt ohne Mitwirken eines am Entwurf interessierten Ingenieurs allein derartige Hallen entwerfen würde, könnte er nur wiederholen, was er schon kennt und würde den Ingenieur zum Statiker degradieren. Ebenso käme der Ingenieur ohne die Anregung des Architekten durchaus auf isoliert betrachtet gute Lösungen, die aber den städtebaulichen Kontext missachten könnten oder eben auch nur auf fade Wiederholungen.«


Hbf Berlin, gmp, Schlaich Bergermann und Partner
Montage Nord-Süd-Dach im Taktschiebeverfahren

Themenserie »Schlaich Bergermann + Partner«:

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 12/2005

Architekt und Ingenieur

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