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Best Practice: Soziale Faktoren einer nachhaltigen Architektur

Das kürzlich abgeschlossene Forschungsvorhaben der Technischen Universität Darmstadt „Best Practice - soziale Faktoren der nachhaltigen Architektur“ versucht anhand der Untersuchung von realisierten Projekten, Aussagen über Planungsparameter herauszukristallisieren, die zu einer sozialen Nachhaltigkeit in der Architektur führen.

Best Practice: Artilleriekaserne St. Arnual - neues Wohnen in Saarbrücken: Die Rückwärtigen Gärten des Quartiers in Saarbrücken gehen teilweise zum öffentlichen Platanenweg über. Hier finden sommerliche Grillfeste an langen Tafeln statt oder die Bewohner treffen sich zum Boule spielen. Für die Kinder ist es ein „Spielplatz“ vor der Tür. (Rückansicht Sophie-Scholl-Straße: Foto: TU Darmstadt, FGee)

In wachsenden Großstädten steht zu wenig bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung – und der Bedarf wird mit der Einwohnerzahl weiter wachsen. Besonders einkommensschwächere Haushalte werden aus den boomenden Städten verdrängt. Um Wohnraum für diese Haushalte zu schaffen, wird eine starke soziale Wohnraumförderung verbunden mit einer hohen Neubaurate benötigt. Aber auch der Gebäudebestand steht unter Druck. Es wirken Faktoren gleichzeitig ein: Eine der großen Herausforderungen liegt in der Erreichung der Ziele der Energiewende durch Reduktion des Energiebedarfs und Steigerung der dezentralen Erzeugung erneuerbarer Energien. Die Sanierung des Bestands ist also zwingend notwendig. Nicht selten fungieren energetische Sanierungen jedoch als Deckmantel für Luxussanierungen und fördern damit ungewollt die Gentrifizierung. Eine weitere Herausforderung liegt in der Berücksichtigung des demografischen Wandels mit einer alternden Gesellschaft.

Bei den Untersuchungen des Forschungsvorhabens der Technischen Universität Darmstadt zur sozialen Nachhaltigkeit ging das Team von dem klassischen Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit aus. In den Bereichen Ökonomie und Ökologie wurden in den letzten Jahren bei der Entwicklung nachhaltiger Architektur erhebliche Fortschritte gemacht. Durch einen hohen Anteil an weichen und nur schwer messbaren Faktoren hat sich der Bereich der gesellschaftlichen Parameter jedoch nicht im gleichen Maß entwickelt. Dabei geht es besonders im Wohnungsbau neben der Bereitstellung von ressourcenschonender, energieeffizienter, dauerhafter und wirtschaftlich optimierter Architektur auch immer um Themen wie soziale Durchmischung, die Möglichkeiten von Kommunikation und Integration, um Partizipation und die beständige Stabilität von Quartieren. „Wohnen ist ein Stück Lebensqualität und der soziale Zusammenhalt wird immer wieder als eine große Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft genannt, zu dem Architektur einen wertvollen Beitrag leisten kann,“ heißt es im Forschungsbericht.

Die Matrix führt tabellarisch die Kriterien für Bauherr, Architekt und Bewohner notizhaft auf. Die Kriterien lassen sich teilweise in Bedürfnisse und Anforderungen für die drei Akteure unterscheiden. (Quelle: TU Darmstadt, FGee)

Das Team um Manfred Hegger befasste sich mit der Analyse und Auswertung von 17 bereits ausgezeichneten Wohnobjekten, um Aussagen über Planungsparameter einer sozialen Nachhaltigkeit in der Architektur zuliefern. Dabei wurden sämtliche Kriterien zur Sicherung der Prozessqualität, räumlich-gestalterischer und baulich-technischer Qualität berücksichtigt, die zur Erhöhung des Wohlfühlfaktors der Bewohner und somit zur Stabilisierung eines sozial hochwertigen, nachbarschaftlichen Gefüges beitragen. Dabei hat sich im Zuge der Begehungen und in Interviews herauskristallisiert, dass sich die Faktoren der sozialen Nachhaltigkeit, die auf das Zusammenleben der Bewohner auswirken, nur in geringem Maße quantitativ erfassen lassen.

Bewertungskriterien (oben) und Interviewstimmungsbild zu den Auswertungen aller 17 bereisten Projekte (unten); (Quelle beide: TU Darmstadt, FGee)

Vielmehr spielt eine bedachte, zielgruppengerechte Planung und Begleitung des Projektes eine zentrale Rolle für den Erfolg. Architektonisch können vor allem Maßnahmen, die räumlich sowohl das private Nebeneinander und gleichzeitig die kommunikative Nachbarschaft ermöglichen, einen hohen Einfluss auf die Gemeinschaft nehmen. Die Grafik fasst die Ergebnisse der Untersuchung in einem gemeinsamen Interviewstimmungsbild zusammen. In den einzelnen Kategorien wurden die unterschiedlichen Kriterien verschieden häufig genannt. Dabei wird besonders deutlich, dass die drei wichtigsten Kriterien – Standort, Haus & Umfeld und Wohnen – alle aus dem Bereich der räumlich-gestalterischen Qualität stammen. Auf Platz vier der Rangliste befindet sich das Thema der Gemeinschaft aus dem Bereich der Prozessqualität.

Die Maßnahmen und Ziele werden im Frühjahr 2015 auf der Homepage der Forschungsinitiative Zukunft Bau Planern in Form einer Publikation zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen finden Sie hier

 

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