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Acne Studios

Brutalismus auf Samtpfoten: Flagshipstore für Acne Studios in Seoul

Der Stadtbezirk Gangnam im Süden von Seoul ist mit seinen 500 000 Einwohnern eine eigene „Großstadt in der Stadt“. In seinen engen kurvenreichen Nebenstraßen verstecken sich einige der exklusivsten Ladengeschäfte der südkoreanischen Metropole. Eines davon hat die Londoner Architektin Sophie Hicks für den schwedischen Modehersteller Acne Studios geplant. Der an Hautausschläge erinnernde Name ist das Akronym für "Ambition to Create Novel Expressions". Gegründet wurde das Unternehmen 1996 zunächst als Kreativagentur, die sich später mehr und mehr auf den Entwurf und Vertrieb eigener Mode- und Möbelkollektionen verlegte.

Mit ihrem Entwurf wollte die Architektin der südkoreanischen Metropole ein Stück schwedische Kultur und Natur einpflanzen, ohne sie dabei ihrer Identität zu berauben.

Diese hätte sich schon in der Vergangenheit als ausgesprochen aufnahmefähig und robust erwiesen, schreibt sie: „Als Besucherin habe ich den Eindruck, dass westliche Marken und die koreanische Stadtkultur gegenseitig viel zu einander beigesteuert haben. Sie haben sich in gewisser Weise gegenseitig befruchtet.“

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Anklänge an die Architektur der 70er-Jahre

Die kontrastreiche Architektur des Gebäudes, so Hicks, sei bereits im Charakter des Auftraggebers angelegt. Während die schwedische Kultur Bescheidenheit und Diskretion wertschätze, seien die Entwürfe von Acne Studios von einer konsequenten Haltung geprägt. So tritt auch der Neubau von außen zunächst nur als transluzenter, maßstabsloser Kubus in Erscheinung. Hinter der leichten Hülle verbirgt sich jedoch ein „Ungeheuer“ aus Beton, so Hicks: Acht schwere Kreuzstützen aus brettgeschaltem Sichtbeton tragen die Geschossdecke und das Dach. Um eine von ihnen windet sich eine Spindeltreppe mit massiven Brüstungen, die ebenso gut als Fluchtweg in einem europäischen Universitätskomplex der 70er-Jahre dienen könnte.

Im Innenraum sind Beton und Polycarbonat weitestgehend voneinander getrennt. Die transluzenten Fassaden werden von einer eigenen Stahlstruktur getragen und sind von der Attika des Flachdachs abgehängt. Dekorative Elemente sucht man in den Innenräumen vergebens; die Materialien – neben Stahlbeton und transluzentem Kunststoff vor allem Glas und spiegelnde Metalloberflächen – dürfen für sich sprechen.

Schwedens Natur sollte sich vor allem in der Lichtatmosphäre im Innenraum widerspiegeln. Durch die Fassade fällt das Sonnenlicht nur gedämpft herein; ebenso wird das Kunstlicht der Fluoreszentleuchten unter der Decke von Metallgittern entblendet. Die Räume sind konsequent von Lüftungsleitungen und technischen Einbauten freigehalten. Um zu sehen, wie viel technischer Aufwand für ein modernes Flagship-Store dennoch nötig ist, muss man sich ein Stück von dem Neubau entfernen. Dann geraten die Lüftungsanlagen und –kanäle in den Blick, die das Gebäudedach wie Krakenarme überziehen.

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