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Bürolandschaft in drei Dimensionen: Villa VPRO von MVRDV in Hilversum (1997)

So viel Zutrauen muss man erst einmal haben: Nicht ein einziges Bauprojekt hatten Winy Maas, Natalie de Vries und Jacob van Rijs miteinander realisiert, als sie 1993 den Auftrag für ein ambitioniertes, rund 10000 m2 großes Bürogebäude erhielten. Der Radiosender VPRO wollte gemeinsam mit einer Reihe anderer Rundfunkanstalten in den Mediapark in Hilversum umziehen. Der Plan, die rund ein Dutzend über die Stadt verteilten Standorte zusammenzufassen, verhieß Effizienz – und die Villenarchitektur der Vorgängerbauten gab dem Neubau zugleich seinen Namen: Villa VPRO.

Patios und mehrgeschossige Lufträume
Eine Anspielung hierauf platzierten MVRDV mit Kronleuchter und Perserteppich gleich in der Eingangshalle ihres Bürohauses. Ansonsten folgt dieses völlig villen-untypischen Leitbildern: 50 x 50 m groß ist das „tiefste Bürogebäude der Niederlande“ (MVRDV), die Grundrisse sind von einem regelmäßigen Stahlbetonskelett strukturiert. Innerhalb des Stützenrasters bewegten sich MVRDV indes mit größtmöglicher Freiheit. Neben Le Corbusiers „Plan libre“ tritt bei der Villa VPRO auch die „Section libre“: Allenthalben sind die Geschossdecken umgeklappt, zu Treppenkaskaden gefaltet, in die Schräglage versetzt und von Schluchten und Klüften durchzogen. „Precision bombing“ nennen die Architekten etwas martialisch ihre Strategie, mit der sie den tiefen Baukörper vertikal durchlöcherten, um mit Patios und mehrgeschossigen Lufträumen Tageslicht ins Innere zu bringen.

Dreidimensionale Bürolandschaft
Die dreidimensionale Bürolandschaft ist auch an den Fassaden ablesbar. Dort legten MVRDV großes Augenmerk darauf, Geländer, Fensterprofile und Blechverwahrungen zu minimieren und den Blicken zu entziehen, sodass nur durchlaufende, von Sichtbetonstreifen unterbrochene Fensterbänder ins Auge fallen.
Im Inneren war der viele schallharte Sichtbeton natürlich ein Wagnis, zumal im Haus eines Radiosenders. Doch auch das gehörte zum Konzept: Statt einzelne Bereiche für bestimmte Nutzungen zu optimieren, übergaben die Architekten ihrem Bauherrn die (fast) nackte Betonlandschaft zur freien Aneignung. Kritiker haben den Bau daher mit einem Korallenriff verglichen, das erst nach und nach besiedelt wird. Die Installationen sind in Hohlraumböden verborgen und keine Lüftungsleitung stört den Blick an die Decken – ein gestalterischer Schachzug, den die Architekten auch als Kommentar auf die „süchtig machenden Effekte heutiger Klimatechnik“ verstanden wissen wollen.

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