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Clever Classrooms

Im Rahmen der Studie Clever Classrooms wurde bewiesen, welchen enormen Einfluss allein räumliche Gestaltungskriterien von Klassenzimmern auf die Leistungsfähigkeit von Schülern haben, speziell wurden dabei die Fortschritte in den Bereichen Lesen, Schreiben und Mathematik berücksichtigt. Die Studie, für die Leistungsstatistiken von 3.766 Schüler in 153 Klassenzimmern an 27 britischen Schulen ausgewertet wurde, belegt die Wirkung des Raums in seiner Gesamtheit und gibt nun sowohl Planern als auch Lehrern eine Checkliste an die Hand, wie für Schüler verbesserte Lernbedingungen geschaffen werden können. Dabei wurde bei der Auswertung eine Methode gefunden, nur die sensorischen, physischen Reize zu berücksichtigen und nicht das jeweilige Lernniveau des einzelnen Schülers oder die pädagogische Leistung der Lehrer.

Die Studie ist Bestandteil des Forschungsprojekts HEAD Holistic Evidence and Design, dessen Ziel es ist, die bislang intuitive Einschätzung der Auswirkungen von gebauten Räumen auf den Menschen und dessen Leistung mit Zahlen und Fakten zu belegen. Die durchaus vergleichbaren Situationen durch festgelegte Lernziele an Grundschule boten dafür einen idealen Rahmen. Die geprüften Raum- und Umweltfaktoren und die damit verbundenen Handlungsempfehlungen erfolgten nach den durch das Team entwickelten sogenannten SIN Designkriterien (Stimulation, Individualisierung und Natürlichkeit). Demnach haben die natürlichen Rahmenbedingungen wie Tageslicht, Raumtemperatur und Luftqualität die größten Auswirkungen, gefolgt von den Möglichkeiten den Raum flexibel zu nutzen und sich anzueignen und sowie dem Grad an Stimulation durch Farbgestaltung und Komplexität des Klassenzimmers. Laut den Verfassern von Clever Classrooms ist das gesamte Schulgelände und -gebäude mit seinen Erschließungs-, Aufenthalts- und Spielflächen sowie Spezialeinrichtungen dabei nicht annähernd so relevant für die Leistung des einzelnen Schülers wie das jeweilige Klassenzimmer. »Es gibt Belege dafür, dass es bei den meisten Schulen eine Mischung aus mehr und weniger effektiven Klassenzimmern gibt. Die Botschaft ist deshalb, dass jedes Klassenzimmer gut gestaltet sein muss«, erläutert Peter Barrett.

Der Forschungsbericht Clever Classrooms gibt zu jedem der Einzelfaktoren Licht, Luftqualität, Temperatur, Akustik und Verbindung zum Außenraum einen kurzen Überblick über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung, gefolgt von Positiv- und Negativbeispielen sowie konkreten Planungshinweisen. Interessant sind auch die Empfehlungen zur räumlichen Flexibilität der Klassenzimmer sowie deren Aneignung durch die Kinder. Dabei wurden beispielsweise Unterschiede für den optimalen Grundriss je nach Altersstufe der Schüler herausgefunden: Räume mit belebten Grundrissen, Zonierungen und unterschiedlichen Bodenbelägen eignen sich demnach besser für kleine Kinder, während ältere Schüler besser in größeren und quadratischen Räumen lernen. Für alle Schüler scheint es gravierend, die Möglichkeit zu bekommen, dass Klassenzimmer zu individualisieren und zu personalisieren. In Kombination mit der Farbgestaltung und der Gesamtkomplexität kommt es laut der Studie auf einen schmalen Grad zwischen Über- und Unterstimulanz an, ob die Lernumgebung als fördern oder störend eingeordnet werden kann.

Vieles davon ist für Schularchitekten sicherlich nicht neu. Der Bericht kann jedoch als wissenschaftliche Bestätigung architektonischen Wissens zur Raumgestaltung verstanden werden, denn »trotz vieler Kenntnisse über die Gestaltung von Schulen, gab es bisher keine Studien, die die Merkmale des Schuldesigns direkt mit der Leistung der Schüler in Verbindung bringen. Diese Lücke zu schließen, sollte nun einen transformativen Einfluss haben. Die Studie ermöglicht es Forschern und Gestaltern, spezifische gestalterische Einzelelemente in einem ganzheitlichen Wirkungsmodell zu betrachten und entsprechend der gewünschten Ziele anzupassen«, erklärt Peter Barrett. 

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