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Carlo Ratti Associati

Cool Paris: Installation zur urbanen Kühlung

Die „offizielle“ Klimapolitik hält noch immer am sogenannten Zwei-Grad-Ziel bei der Klimaerwärmung fest. Inoffiziell ist jedoch vielen längst klar, dass die Welt auf eine deutlich stärkere Erwärmung zusteuert – insbesondere in den Großstädten, in denen die Lage durch den sogenannten Klimainsel-Effekt zusätzlich verschlimmert wird.

Derzeit arbeiten Forscher an der US-amerikanischen Universität Stanford an neuen Möglichkeiten, Extremtemperaturen in Städten mit baulichen Mitteln deutlich zu mildern. Im Mittelpunkt stehen dabei photonische Membranen, die Sonnenstrahlung reflektieren können und gleichzeitig für langwellige Infrarotstrahlung durchlässig sind. Damit kehren sie das Prinzip des Treibhauseffekts in der Atmosphäre quasi um. Dieser entsteht dadurch, dass die Erdatmosphäre kurzwellige Sonnenstrahlung bis auf die Erdoberfläche durchlässt, die von dort zurückgestrahlte langwellige Strahlung jedoch blockiert.

Die technische Neuentwicklung haben die Energieplaner von Transsolar und das Beratungsbüro Carlo Ratti Associati zum Ausgangspunkt ihrer Installation gemacht, die noch bis zum 4. Oktober 2015  vor dem Musée d’Orsay im Zentrum der französischen Hauptstadt zu sehen ist. Sie besteht aus drei großen Monitoren, die die Auswirkungen dreier unterschiedlicher „Klimaoptionen“ zeigen: einmal die „ungekühlte“ Stadt, einmal ein Stadtareal, das von der photonischen Membran gekühlt wird sowie ein begrüntes Areal in der Stadt.

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Die Potenziale der neuen Membranen erläutert Carlo Ratti so: „Wenn wir große urbane Flächen mit speziellen Materialien verhüllen könnten, wäre es theoretisch möglich, sogar im Sommer Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu erreichen. Mit den aktuell verfügbaren Membranen sind derzeit Temperaturreduktionen von einigen Grad Celsius möglich.“

Thomas Auer, Geschäftsführer von Transsolar und Professor an der Technischen Universität München, fügt hinzu: „Mit dem Demo-Projekt untersuchen wir verschiedene  Optionen und bewerten mit fortschrittlichen Computer Simulationen den jeweiligen Gesamteffekt für den Ausstellungsort Paris. Die Oberfläche einer solchen Membran kann also ganz von selbst mehrere Grad Celsius unter der Temperatur der Umgebungsluft bleiben, sogar bei direkter Sonnenstrahlung. Damit kann sie mehr als Schatten spenden, sie könnte eine Kühlquelle für die Gebäude von morgen sein, ohne elektrischen Strom oder Wasser zu benötigen. Auf einmal ist man gefühlt eher in Stockholm oder Reykjavik als in Paris.”

“Die Herausforderung besteht nun darin, Lösungen zur klimatischen  Ertüchtigung zu entwickeln, die umfassenden Komfort sicherstellen“, sagt Emma Greer, Projektmanagerin bei Carlo Ratti Associati. “Wenn man in Paris die Ile de la Cité mit einer photonischen Membran umhüllen würde, läge ihre Temperatur um 5 bis 10 Grad niedriger. Ein solch großer Eingriff wäre vielleicht nicht praktikabel. Aber Innenhöfe und öffentliche Plätze mit Membranen auszustatten, könnte eine mögliche Option sein,” ergänzt Greer.

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